Alles für die Weide

Start in die WeidesaisonKeine Frage, die Freude ist groß, wenn die Weidezeit naht und im April das erste Grün auf den Koppeln sichtbar wird. Meist vergeht dann noch ein wenig Zeit, bis die Pferde endlich raus dürfen, vieles muss erledigt werden, bevor nicht nur die Weide bereit, sondern auch das Drumherum hergerichtet ist.Besonders der Weidezaun bietet Jahr um Jahr immer wieder Grund, genau hinzuschauen. Neben der eigentlichen Hütesicherheit für die Vierbeiner spielen auch rechtliche Gesichtspunkte hinsichtlich der Haftung im Schadensfall eine Rolle. Insofern ist ein Zaun, der ein Ausbrechen der Pferde mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht erst zulässt die beste Schadensbegrenzung für Mensch und Tier und sollte nicht – wie leider so oft – auf die leichte Schulter genommen werden.Der sicherste Zaun ist eine Kombination aus sichtbarer Barriere - z. B. ein massiver Holzzaun -, der mit einem Elektrozaun verstärkt wird. Auch Hecken, Büsche und Bäume werden von Pferden als optische Grenzen anerkannt, müssen aber zwingend durch einen Elektrozaun zusätzlich gesichert werden. Der Festzaun (so bezeichnet man einen optisch sichtbaren, fest im Boden verankerten Zaun, der durch entsprechend Querverstrebungen stabilisiert wird) sollte stets auf mögliche Verletzungsgefahren wie scharfe Kanten, herausstehende Nägel etc. untersucht werden, bevor die Pferde auf die Weide kommen. Häufig hat der Winter gerade bei Holzzäunen Schäden angerichtet, die zunächst behoben werden müssen. Bewuchs sollte schon im zeitigen Frühjahr möglichst entfernt und klein gehalten werden, denn nur ohne Bewuchs funktioniert der Elektrozaun makellos. Bewuchs leitet den Strom in den Boden ab und verringert so die Schlagkraft des Zaunes. Elektrozaun macht die Weide sicherElektrozäune sind hierzulande Standard für die Sicherung von Pferdeweiden. Leider wissen die wenigsten Pferdehalter nach wie vor nicht, wie ein schlagstarker und damit sicherer Zaun funktioniert und worauf man zwingend achten sollte. Knoten und abenteuerliche Isolierungen sind immer noch gang und gäbe und meist die Ursache, warum die Pferde dann doch irgendwann auf der falschen Seite des Zaunes stehen.Wenn man sich strikt an die Vorgaben der Anbieter von Elektrozaunanlangen hält, kann eigentlich nichts schief gehen. Wer meint, an den falschen Enden sparen zu müssen, z. B. an den Verbindungen oder Leitern (Litzen, Bänder, Seile), der geht das Risiko ein, dass die Hütesicherheit eben nicht mehr gewährleistet ist – trotz schlagstarkem Gerät.Neben einem schlagstarken Weidezaungerät (bei Batteriebetrieb täglich den Ladestand kontrollieren) benötigt man einen, besser noch mehrere Erdungsstäbe von ausreichender Länge (je länger, desto besser die Erdung), Isolatoren, gut sichtbare, hoch leitfähige Litzen oder/und Bänder (letztere sind windempfindlich) sowie Verbindungen und gegebenenfalls Pfosten (wenn die Isolatoren nicht in den Holzzaun geschraubt werden). Eine unzureichende Erdung ist meist die größte Schwachstelle des Elektrozaunes. Empfohlen werden je Gerät zwei je zwei Meter lange Erdungsstäbe, die miteinander verbunden sind. Erdungsstäbe sollten rostfrei sein (z. B. verzinktes Eisen), denn Rost wirkt isolierend und verhindert so die Erdung. Alle o. g. Zaun-Komponenten müssen mittels Sichtkontrolle und Voltmeter (ein handliches Gerät, das die Schlagstärke des Zaunes misst) im Prinzip täglich überprüft werden. Einige Versicherungsexperten raten sogar, ein entsprechendes „Zaunbuch“ zu führen, dass die Überprüfung protokolliert, um im Schadensfall nachweisen zu können, dass auch wirklich alles für die Hütesicherheit getan wurde. Die beste Hütesicherheit garantiert in der Regel ein Netzgerät, vor allem, da es wartungsärmer und weniger störanfällig ist als ein Batteriegerät. Aber auch hochmoderne Geräte mit Batteriebetrieb erlauben mittlerweile eine Kontrolle des gesamten Zaunes mittels Fernbedienung und „warnen“ per sms, wenn es zu Störungen am Zaun kommt. Die Spannung des Gerätes sollte an jeder Stelle des Zaunes ungefähr 3000 Volt betragen, wenn die Pferde im Winterfell draußen stehen, dann sogar 4000 bis 5000 Volt, da sie mit Pelz unempfindlicher gegenüber dem Stromschlag sind. Außerdem muss beachtet werden, dass bereits geringer Bewuchs oder nicht optimal verbundene Leiter die Impulsenergie des Zaunes stark beeinträchtigen können. Im Zweifelfall sollte deshalb immer das stärkere Gerät gewählt werden.Widerstand zwecklosNeben dem Weidezaungerät ist auch der Widerstand der stromleitenden Teile, der Litzen, Bänder etc. entscheidend für einen schlagstarken Zaun. Dabei gilt: Je weniger Widerstand (gemessen in Ohm/Meter) ein Leiter hat, desto besser, vor allem, wenn es sich um einen längeren Zaun handelt. Wer es gleich richtig machen möchte, greift deshalb zu den hochleitfähigen Materialien ( < 0,5 Ohm/Meter). Billig-Komponenten mit höherem Widerstand stellen eine Schwachstelle des kompletten Zaunsystems dar. Preiswerte Litzen, Seile oder Bänder kommen nur für geringe Zaunlängen infrage.Hätten Sie’s gewusst?Verläuft der elektrische Weidezaun entlang eines öffentlichen Weges, müssen in regelmäßigen Abständen gut sichtbar Warnschilder angebracht werden, um vorbeilaufende Personen vor einem möglichen elektrischen Schlag bei Berührung des Zaunes zu warnen.Text und Fotos Friederike Fritz