Ein strahlendes Lächeln steckt an! Foto:J. Schmidt
Ein strahlendes Lächeln steckt an! Foto:J. Schmidt

Mit dem Pferd „außer Haus“: Benimm ist in

Ob Show oder Trainingswochenende, Reiter-Rallye oder Rinderkurs, wir alle wollen Spaß haben mit unseren Pferden und Gleichgesinnten. Umso wichtiger ist es, dass alle sich um ein freundliches Miteinander bemühen, das von Horsemanship und Sportsgeist geprägt ist. Und nicht vergessen: Ein freundliches Lächeln kostet nichts und kann Wunder wirken. Hier ein paar Tipps zum freundlichen, fairen Miteinander.

 

Gutes Benehmen fängt nicht erst vor den strengen Augen des Richters an, sondern schon viel früher. Wohin man mit seinem Trailer auch kommt, wer immer auch den Parkplatz oder die Box einweist – jeder möchte es dem Teilnehmer, dem Reiter und dem Pferd so angenehm wie möglich machen, denn schließlich heißen die Veranstalter ihre Gäste gerne willkommen. Und so, nämlich wie ein Gast, sollte man sich auch benehmen. Ja, manchmal ist es voll, manchmal staut sich der Verkehr vor dem Showgelände oder gar in der Boxengasse, manchmal wird es hektisch und der Ton etwas rauer, aber das alles ist kein Grund, dass die Mundwinkel nach unten rutschen und man zurückblafft. Im Gegenteil: Besonnenheit, höfliches Benehmen und Freundlichkeit sorgen nicht nur beim Gegenüber für gute Laune, sondern auch bei einem selbst. Und – man sollte es nicht glauben – auch die Vierbeiner spüren, wenn ihre Menschen locker und entspannt sind. Oder eben – im schlechten Fall – bissig, übellaunig und verkrampft.

 

Also, auch wenn es mal ein bisschen länger dauert: durchatmen, lächeln (schon allein das hilft nachgewiesenermaßen, die Laune zu heben - wer es nicht glaubt, der googelt mal „60 Sekunden lachen“ von Vera Birkenbihl) und entspannen. Jeder kommt dran und alle wollen ein und dasselbe: eine tolle Zeit verbringen. Einen erfolgreichen Ritt hinlegen. Zeigen, was man gelernt hat. Etwas Neues lernen. Das erste Mal die Kuh treiben. Und und und...

 

Stau in der Boxengasse

 

Erfahrungsgemäß ist es eng in fremden Ställen und Stallzelten. Wer sich auf der Show keine Tackbox leisten kann oder mag, also eine weitere Pferdebox für das mitgebrachte Equipment, der kommt schnell ins Schleudern: Wohin mit dem ganzen Kram? Ganz klar, lose herumfliegender Krempel behindert im Zweifelsfall die Sportskameraden und ihre Pferde und birgt nicht zuletzt auch ein gewisses Verletzungsrisiko. Was nicht unbedingt beim Pferd sein muss, wird sicher im Anhänger verstaut und erst geholt, wenn das Pferd für den Start zurechtgemacht wird. Generell gilt auch für Trainings, Urlaube, Reitertreffen in fremden Ställen: Bevor man sein Equipment auspackt erst höflich fragen, wo man es verstauen kann!

 

Rück- und Umsicht

 

Ob im Stall, auf dem Showgelände oder dem Abreiteplatz: Wo sich viele Reiter und Pferde tummeln, sind Umsicht und Rücksichtnahme gefragt. Zwar sind American Quarter Horses für ihre nahezu unerschütterliche Ruhe bekannt, aber auch ihnen sind Grenzen gesetzt. Einem jungen Hengst sollte man deshalb nicht unbedingt zu dicht auf die Pelle rücken; als Führer eines solchen jedoch auch immer schauen, wo ausreichend Platz für den Halbstarken und er nicht unbedingt mit attraktiven Damen oder Seinesgleichen umgeben ist.

 

Hilfsbereitschaft ist das A & O

 

Jugendliche, die das Geschehen vielleicht noch nicht so weitreichend überschauen, freuen sich, wenn sie freundlich angesprochen werden, anstatt eine harsche Ansage zu kassieren, wenn sie eben doch mal etwas „lost“ im Weg stehen. Und wenn man sieht, dass ein Mit(st)reiter gerade mal überfordert ist, weil die Startnummer im Dreck liegt oder das Schweiftoupet sich löst, ist es eine Frage der Kollegialität, auch Sportsgeist genannt, mal eben das Pferd am Zügel zu halten oder anderweitig Hilfe anzubieten – auch wenn dadurch die eigene Abreitezeit vielleicht ein paar Minuten kürzer ausfällt. Schließlich sind wir auf einem Turnier und nicht auf einem Ego-Trip.

 

Getümmel auf dem Abreiteplatz

 

Absoluter Brennpunkt in Sachen „Benimm“ ist der Abreiteplatz. Meist ist er zu klein, zu voll und Reiter aller Disziplinen wollen ihr Pferd noch mal gründlich auf die Prüfung einstimmen. Viele Probleme würden entschärft, wenn jeder die „Warm-up-Area“ als solche benutzen würde, nämlich zum Warmreiten des Pferdes. Dann gäbe es einen glatten Durchlauf und es wären meist nur Reiter einer und derselben Klasse auf dem Platz – von Ausnahmen mal abgesehen. Die Realität sieht – leider – anders aus.

Die Warm-up-Area ist, wie der Name schon sagt, zum Aufwärmen und NICHT zum Training da. Und schon gar nicht, um sein Können dem umstehenden Publikum zu beweisen. Dafür ist nämlich die Prüfung bestimmt. Das gilt vor allem für einige Reiner, die gerne ihren Vierbeiner im Galopp ein lange Seite nach der anderen runterscheuchen, rasant stoppen, um nach einem hektischen Rollback erneut die lange Seite herunter zu donnern. Ganz klar, dass sich hier die ruhigeren AllArounder unter den AQHs, aber auch die weniger hart gesottenen Reiter gestört fühlen. Ein weiteres Thema ist das Longieren, auch hierzu wird der Abreiteplatz gerne genutzt. Sicherlich hat niemand etwas dagegen, wenn bei wenig Betrieb ein junges Pferd kurz ablongiert wird. Aber: Reiter haben Vorrang und wenn der Abreiteplatz gut besucht ist, sollte man aufs Longieren verzichten. Viele Veranstalter gerade mehrtägiger Shows bieten gesonderte Round Pens speziell zum Ablongieren (die übrigens, hier sind wir beim nächsten „Benimm-Tipp“, nicht stundenlang als Paddock-Ersatz dienen sollten!) an.Auch für den Plausch an der Bande ist der Abreiteplatz nicht gedacht. Wer nicht reitet, hat an der „Rail“ nichts verloren. Kurz verschnaufen, sich noch einmal sammeln oder das Equipment geraderichten – all das ist in der Mitte des Abreitplatzes kein Problem. Abruptes Anhalten auf dem äußeren Hufschlag sollte man vermeiden, um die Hintermänner nicht in Bedrängnis zu bringen. In Sachen Tempo gilt: Wer langsam unterwegs ist, macht den ersten und zweiten Hufschlag frei.Übrigens: Sich grundlos in der Warm-Up-Area aufhalten, weil es zwischen den Prüfungen eben so langweilig ist oder man seinen mitgereisten Groupies beweisen möchte, wie toll man ist, wenn man mit seinem coolen AQH an Halfter und Strick völlig entspannt ohne Sattel zwischen den gestressten Prüflingen herzockelt, geht gar nicht. Wer seinen Vierbeiner jenseits der Prüfungen und des Abreitens ein wenig bewegen möchte, geht eine kleine Runde um den Hof, über die Anlage oder ins Gelände. Nicht publikumswirksam, aber kollegial und fair den Reitern gegenüber, die sich aus gutem Grund in der Warm-up-Area aufhalten.

 

Richter sind keine Unmenschen

 

Ja, in einer Prüfung muss man sich konzentrieren, jede Bewegung muss sitzen, jede Hilfe punktgenau kommen. Aber ist das ein Grund, grimmig zu schauen? Sicher nicht. Auch Richter, die durchaus Verständnis für Anspannung und Lampenfieber haben, freuen sich, wenn sie in freundliche Gesichter schauen. Während die Reiter fast durchweg zum Spaß in der Arena sind bzw. sein sollten, ist tagelanges Richten bei zum Teil widrigsten Umständen ein nicht zu unterschätzender Job. Umso schöner ist es für die Herren und Damen mit den Score-sheets, wenn die gute Laune der Starter auf sie überschwappt! Und: Auch wenn es diesmal nicht für den Sieg gereicht hat, eine Platzierung ist immer ein Grund zur Freude, auch wenn man sich vielleicht etwas Besseres erhofft hat. Kein Grund also, verschnupft auszusehen. Mitreiter und auch den Fotografen freut es, wenn ALLE freundlich schauen auf dem Siegerehrungsfoto! Apropos Siegerehrung: Ohne Pferd und womöglich in Jogginghose und Sweatshirt zur Entgegennahme der Ehrung zu erscheinen ist ein absoluter Fauxpas, auch wenn es immer wieder vorkommt. Es ist ein Zeichen des Respekts gegenüber Richtern, Mitreitern und Publikum, mit Pferd und in entsprechendem Outfit zu erscheinen. Es versteht sich übrigens von selbst, dass beim Verlassen aus der Arena nicht mehr oder weniger laut über diese „Idioten von Richtern“ geschimpft wird, oder?!

 

... informiere Dein Gesicht!

Turnierreiten ist eine tolle Sache und auch Trainings, Horsemanship-Camps und alle anderen Veranstaltungen, die wir mit unseren Quarties besuchen, sind tolle, oft einzigartige Erlebnisse, die mit einem Quäntchen Freundlichkeit, Respekt und Lockerheit noch schöner werden. Wer glaubt, Freundlichkeit sei nur was für Delfine, der wird auf Dauer keinen Spaß mit seinen Reiterkollegen haben. Wie eingangs geschrieben: Lächeln tut nicht weh, Lachen auch nicht – und was gibt es Schöneres als ein Erinnerungsfoto an der Wand, auf dem nicht nur der showfertig gegroomte Vierbeiner strahlt? „Wenn es Dir gut geht, informiere Dein Gesicht“ – dieser Ausspruch von den Erfolgscoachs Maria und Stefan Craemer von der CCA trifft es auf den Punkt. Also Mundwinkel nach oben und los!

Text: Friederike Fritz