Der Sattel: Die Qual der Wahl auch für den Reiter
Die Passform eines Sattels für das Pferd spielt beim Kauf die entscheidende Rolle. Doch auch der Reiter muss bequem, sicher und seinen reiterlichen Anforderungen gerecht auf seiner Neuanschaffung sitzen können. Bei der Sattelwahl spielen einige weitere Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle: Für den normalen Gebrauch sollten Sattelhorn und Fork nicht allzu hoch sein, anderenfalls ist der Reiter geneigt, mit zu hoher Hand zu reiten oder aber er bleibt mit den Zügeln am Sattelhorn hängen. Ein Cuttingsattel, der, wie bereits erwähnt, ein sehr hohes Horn besitzt, ist dementsprechend für die alltägliche Dressurarbeit auf dem Reitplatz weniger geeignet. Das Cantle darf in keiner Situation störend für den Reiter sein, er muss sich in seinem Sitz wohlfühlen. Vor allem zu kleine oder zu hohe Cantles können den Reiter schmerzhaft einzwängen und in eine falsche Sitzposition zwängen, ein zu weites, großes Cantle dagegen lässt den Reiter im Sattel „schwimmen", was auch nicht erwünscht ist. Hinsichtlich der Passform des Sattels für den Reiter ist die Größe und Form der Sitzfläche von besonderer Bedeutung.Sitz zum WohlfühlenDie Sitzgröße wird nach wie vor in Inches gemessen, für Erwachsene kommen Sitzflächen ab 15 Inch infrage, wobei sich der zukünftige Benutzer des Sattels einfach wohlfühlen muss. Ebenso wichtig ist die passende Sitzbreite, die bei einem maßgefertigten Sattel mit Vollledersitz exakt auf die Proportionen des Reiters abgestimmt werden kann, während bei „Sätteln von der Stange" gerade hier häufig Kompromisse gemacht werden müssen, was zur Folge haben kann, dass der Reiter nicht bequem sitzt und aufgrund des Spreizsitzes in der exakten Hilfengebung gestört ist. Ob die Sitzfläche des Sattels mit Glatt- oder Rauleder bezogen ist, bleibt Geschmackssache: Während Glattleder die größere Bewegungsfreiheit bietet, gibt die Rauledersitzfläche mehr Halt. Letztere empfiehlt sich dementsprechend vor allem für unsichere, ungeübte Reiter. In jedem Fall ist es angenehm, wenn die Sitzfläche abgepolstert ist. Bei einem Maßsattel kann der Reiter hier sogar unter verschiedenen „Komfortzonen" wählen, indem verschieden dickes Neopren angeboten wird.Exakte Hilfengebung muss gewährleistet seinNeben der Sitzfläche trägt auch die Aufhängung der Fender einen erheblichen Teil zum Sitz des Reiters bei. Diese sollten so aufgehängt werden, dass ein gerader Sitz mühelos möglich ist. Auf keinen Fall dürfen die Steigbügelriemen zu weit vorne angebracht sein "- dann nämlich wird der Reiter automatisch in den unerwünschten Stuhlsitz gezwängt. Schultergelenke, Gesäßknochen und Fersen sollen problemlos eine senkrechte Linie bilden können. Zur optimalen Hilfengebung sollen sich die Fender jedoch ohne großen Widerstand vor und zurück bewegen lassen. Für diese Beweglichkeit sorgt u. a. ein sogenannter „Slider", ein Stück dünneres Leder, das zwischen Gurtung und Bügelriemen angebracht wird. Zu „schlabberige" Fender sind allerdings von Nachteil, da hier ungeübte Reiter sehr schnell in den Stuhlsitz rutschen können bzw. bei der Hilfengebung ein unruhiges Bein entwickeln.Fest gegurtetDer Westernsattel bietet eine Vielzahl von Gurtungsmöglichkeiten, die sowohl auf die Verwendung als auch auf den Pferdetyp abgestimmt werden können. Zum einen gibt es die „Off-Skirt-Rigging", bei der der Ring des Befestigungsriemens (Tie Strap) für den Gurt auf dem Sattelleder, dem Skirt, aufliegt. Diese Form sieht man häufig bei älteren Sätteln, den richtigen „Oldtimern" oder aber auch schweren Arbeits- und Cuttingsätteln. Bei der „Inskirt-Rigging"gibt es zwei Varianten: Sie kann aus einem Metallring bestehen, der an der unteren Kante in das Skirt eingelassen ist, oder aber aus Ausschnitten im Skirt, wie z. B. bei der Dreiwegegurtung, bei der das Tie Strap durch drei ausgestanzte, meist mit Rohhaut verstärkte Laschen geführt wird. Diese Variante passt sich besonders gut dem Pferdekörper an und stört am wenigsten bei der Hilfengebung.Fender passend zur BeinlängeDie Steigbügelriemen des Westernsattels, die Fender, sind im Idealfall "- meist bei Maßsätteln "- bereits so ausgedreht, dass bequemes Reiten vom ersten Tag an möglich ist und die Bügel sich immer in der korrekten Position befinden. Beim Sattel von der Stange kann es vorkommen, dass die Fender zunächst „ausgedreht" werden müssen, um fürs Reiterbein passend und somit bequem zu werden. Wichtig ist, dass die Fender in ihrer Länge zum Reiterbein passen. Gerade bei kürzeren Beinen können zu lange Fender zu Beschwerden im Kniebereich führen, da sie zu starr und unflexibel in sich sind. Auch die Wahl der Steigbügel will überlegt sein: Sie dürfen auf keinen Fall zu klein sein, damit der Stiefel sich nicht verklemmen kann. Sind sie jedoch zu groß, kann der Fuß leicht durchrutschen und sich lebensgefährlich festhaken! Hier muss beim ansonsten passenden Sattel von der Stange gegebenenfalls getauscht werden!Einer für alles?Westernreiter, die sich vorerst nicht auf eine bestimmte Disziplin spezialisieren wollen, sind mit einem Reiningsattel gut bedient. Er gilt als Vielseitigkeitssattel unter den Westernmodellen und ist -  mit gewissen Einschränkungen "- für fast alle Einsatzzwecke zu gebrauchen. In der Regel hat er einen schmalen, tiefen Sitz und ermöglicht dementsprechend eine gute Nähe zum Pferd. Die leicht beweglichen Fender erlauben eine exakte Hilfengebung und der Schwerpunkt befindet sich in der Mitte des Sattels. Eine gute Wahl für den Einstieg, denn mit diesem Sattel kann man über Jahre den reiterlichen Alltag bewältigen. Text: Friederike Fritz Fotos Carola Steen