Fütterung für die Haut

Hautpflege von innen: Fütterung für den Fellwechsel

Eigentlich ist noch tiefster Winter, die Pferde stehen mit dicken Fell da und scheinbar ganz plötzlich fällt auf, dass sie mager werden, der eine oder andere Vierbeiner fängt an zu kränkeln, ist leistungsschwach oder sieht aus wie von Motten zerfressen... alles Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel des Pferdes bereits schon auf „Sommerbetrieb“ umstellt.

Unbemerkt läuft der Motor „Stoffwechsel“ schon kurz nach Jahresbeginn auf Hochtouren und bereitet den Monate später stattfindenden Fellwechsel heimlich still und leise vor. Der Pferdekörper sorgt innerlich schon jetzt dafür, dass ein seidiges, kurzes Sommerfell gebildet wird. Da diese Vorgänge von außen nicht sichtbar sind, „vergisst“ man als Pferdehalter schnell, dass der Vierbeiner Schwerstarbeit leistet – und sich zudem auch noch mit z. T. eisigen Temperaturen auseinandersetzen muss.

Anstrengend und kräftezehrend

Solche Stoffwechselvorgänge sind für den Organismus extrem anstrengend und kräftezehrend, vor allem, wenn der Winter mit Eis und Schnee dann im Januar/Februar noch mal richtig zuschlägt oder sich bis in den späten März hinein hält. Deshalb sehen viele Pferde im ausgehenden Winter oft von einen auf den anderen Tag „gagelig“ aus und magern zusehends ab. Vor allem für alte Pferde stellt diese Zeit eine große Herausforderung dar. Die Anforderungen an den Organismus sind zu groß und die tägliche Ration war bzw. ist nicht in der Lage, den erhöhten Bedarf zu decken.

Hinzu kommt, dass das Raufutter allmählich an Nährwert und durch mangelhafte Lagerung häufig auch an Qualität verliert. Generell ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass das am Markt erhältliche Heu in vielen Fällen von minderer Qualität ist: Staub belastet zwar die Atemwege (was mit Einweichen immerhin verhindert werden kann), besonders gesundheitsschädlich und belastend ist jedoch Raufutter, dass mit Schimmel- und anderen Pilzen kontaminiert ist. Haben Pferde Hunger, fressen sie selbst muffiges oder schimmeliges Heu, was weitreichende Folgen für die Gesundheit hat. Wird solch minderwertiges Raufutter über einen längeren Zeitraum gefüttert, sind nicht nur Schäden an der Lunge, sondern auch besonders Leberschäden vorprogrammiert. Die Leber ist für die Entgiftung des Körpers zuständig und höchst aktiv am Stoffwechselgeschehen beteiligt. Weiterhin lagert sie nicht nur Nährstoffe ein, sondern ebenso Giftstoffe, die über die Nahrung zugeführt werden, ein. Die Giftsstoffe (Toxine, aber auch Medikamente, Wurmmittel etc.) werden in der Leber abgebaut und daraufhin über die Nieren und die Gallenflüssigkeit abtransportiert. Die Haut als größtes Ausscheidungsorgan ist an diesen Vorgängen nicht unbeteiligt und so liegt es nahe, dass auch sie früher oder später mit Entgleisungen reagiert. Einmal mehr wird deutlich, dass Grundfutter – vor allem Heu, da es den größten Anteil der täglichen Ration bildet - von bester Qualität das A und O in der Pferdefütterung ist.Aber auch weitere Faktoren wie Alter des Pferdes, sportliche Beanspruchung, Erkrankungen im Vorjahr und allgemeine Belastung z. B. durch Medikamentengabe haben Auswirkungen auf den Stoffwechsel und können zu starken Beeinträchtigungen in der Zeit des darauffolgenden Fellwechsels führen.

Rechtzeitig reagieren

Deshalb ist es im Frühjahr so wichtig, den Wechsel zum glatten Sommerfell nicht erst zu unterstützen, wenn er sich durch erste fliegende Haare ankündigt, sondern schon längere Zeit vorher.Während der verantwortungsvolle Pferdebesitzer zum einen auf eine einwandfreie Heuqualität achtet und gegebenenfalls minderwertiges Altheu gegen Ersatzprodukte wie Heu-Cobs, spezielle, hochwertige Heulage oder andere Raufaserprodukte austauscht, kann er zum anderen gezielt mit zusätzlichen Maßnahmen den Stoffwechsel seines Pferdes bei seiner Schwerstarbeit unterstützen. Dabei kommt dem Vierbeiner in dieser Zeit alles zugute, was auch sonst die Haut und das Fell unterstützt.

Hochwertige Öle

Öle enthalten nicht nur hochwertige Inhaltsstoffe, die den Fellwechsel unterstützend beeinflussen können, sondern dienen gerade im ausgehenden Winter als wertvolle Energielieferanten. Öl liefert fast doppelt so viel Energie wie Protein und Kohlehydrate und kann somit bereits in geringer Menge erheblichen Nutzen bringen, um die Ration eines mageren Pferdes wenig Stoffwechsel-belastend aufzuwerten. Öle sind leicht verdaulich und ihre Inhaltsstoffe – vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren – gelten allgemein als förderlich für die Gesundheit des Pferdes.

Leinöl erweist während der anstrengenden Phase des Fellwechsels gute Dienste: Es gilt wie alle Öle als Energielieferant und besitzt zudem ebenfalls hohe Anteile an ungesättigten Fettsäuren (Omega 3 und Omega 6). Vor allem innerhalb einer Stoffwechsel-entlastenden eiweißarmen Fütterung hilft Leinöl, Energiedefizite auszugleichen. Leinöl ist leicht verdaulich und unterstützt den Fellwechsel durch seine wertvollen Inhaltsstoffe. Es kann bedenkenlos über einen längeren Zeitraum in einer Menge zugefüttert werden. Stoffwechselunterstützend reichen 25 bis 50 ml täglich für ein erwachsenes Pferd, während zur Unterstützung der Energiezufuhr sogar nach entsprechender Gewöhnungszeit bis zu 200 ml täglich verabreicht werden können. Auch Leinkuchen mit reduzierten Ölgehalt hat eine positive Wirkung auf den Hautstoffwechsel und regt durch seinen für Leinsamen typischen hohen Gehalt an Schleim- und Quellstoffen die Verdauung an.Auch der in Ägypten traditionell als Heilmittel eingesetzte Schwarzkümmel wird bei uns zunehmend als Mittel der Wahl bei Haut- und Atemwegserkrankungen anerkannt. Meist wird Schwarzkümmel in Form von kalt gepresstem Öl oder sog. Schwarzkümmelkuchen bzw. -Pellets angeboten.Dem täglichen Futter zugesetzt regt Schwarzkümmelöl den Stoffwechsel an und unterstützt das Immunsystem. Besonders Haut und Atemwege profitieren von der pilz- und bakterienhemmenden Wirkung des herzhaft duftenden Öls, das reich an essentiellen Fettsäuren, vor allem Omega-6-Fettsäure, ist. Schwarzkümmelöl aus Kaltpressung, bei der die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben, wird in vergleichsweise niedriger Dosierung mit 12 – 25 ml pro Tag verabreicht. Schwarzkümmelkuchen, der bei der Kaltpressung anfällt, enthält wertvolle Pflanzenstoffe, die nicht nur das Immunsystem stärken, sondern auch für eine elastische Haut und damit ein gesundes Fell sorgenDas erheblich teurere Nachtkerzenöl, das in geringen Mengen als Kur verabreicht werden sollte, besitzt neben anderen mehrfach ungesättigten Fettsäuren ebenfalls einen besonders hohen Anteil Gamma-Linolensäure, eine der bereits erwähnten Omega-6-Fettsäuren (Besonders viel Gamma-Linolensäure enthält mit ca. 20% übrigens Borretschöl!). Nachtkerzenöl wird im Humanbereich innerlich und äußerlich bei Neurodermitis eingesetzt. Gamma-Linolensäure beugt Mangelerscheinungen vor, die sonst zu einer Ekzembildung führen können. Für Pferde mit Haut- und Fellproblemen empfiehlt sich eine ganzjährige Fütterung mit bis zu 30 ml pro Tag und Tier.

Bierhefe

Bierhefe ist ein Nebenprodukt aus der Bierherstellung und gilt als Allrounder in der Pferdefütterung und wird traditionell für ein intaktes Immunsystem und eine gesunde Darmflora eingesetzt. Letzte ist wichtig für den gesamten Stoffwechsel, für die Aufnahme von Nährstoffen und damit auch für die Funktion der Haut. Die B-Vitamine aus der Bierhefe wirken sich u. a. positiv auf das Nervensystem des Darms aus und stabilisieren damit die Verdauung. Auch bei Appetitlosigkeit, z. B. bei alten Pferden oder Rekonvaleszenten kann die Gabe von Bierhefe Wunder wirken.Die in Bierhefe enthaltenen Nährstoffe wirken sich besonders positiv auf die Hautgesundheit aus, und Bierhefe gilt allgemein als wachstumsstärkend (zellerneuernd) für Fell und Hufhorn. Bierhefe gilt als stoffwechselanregend und unterstütztend für eine gesunde Abwehr. Auch zur Stärkung empfindlicher Haut hat sich Bierhefe bewährt.Das liegt u. a. an dem hohen Gehalt an hochwertigen Proteinen wie Lysin, den B-Vitaminen und zahlreichen weitere Vitaminen und Mineralstoffen sowie Enzymen, die in der Bierhefe enthalten sind. Bierhefe stabilisiert das Gleichgewicht im Dickdarm und erhöht damit nicht nur die Futterverwertung, sondern auch die Bioverfügbarkeit aller Nährstoffe. Reine Bierhefe sollte mit zirka 50 Gramm für ein ausgewachsenes Pferd zugefüttert werden. Für Pferde, bei denen besonderes Augenmerk auf eine reibungslose Verdauung gelegt werden muss, empfiehlt sich das Verfüttern von Biertreber-Hefe-Mischungen, da dort die Bierhefe mittels des zugefügten Trebers mit wertvoller Rohfaser ergänzt wird. Von diesen als Fertigmischungen erhältlichen Futtermitteln muss zwar mengenmäßig etwas mehr verfüttert werden, dafür wird das grobe Granulat meist besser von den Pferden angenommen – bei identischer Wirkung.

Kieselerde

Kieselerde oder auch Kieselgur (Silizium) ist für die Flüssigkeitsregulierung innerhalb der Körperzellen zuständig und gibt den Zellwänden Festigkeit und Elastizität und aktiviert Zellaufbau und –stoffwechsel. Das Spurenelement Silicea baut die Struktur von Bindegewebe, Haut, Haaren, Horn und Gelenken auf und festigt diese, weile es an der Entstehung des Kollagens beteiligt ist. Kieselerde stärkt somit das Hautbindegewebe sowie die Bänder und soll das Hufhorn kräftigen. Weiterhin hat Kieselgur aufgrund seiner porösen Oberflächenstruktur die Eigenschaft, Toxine aus dem Körper zu schleusen, indem es diese im Darmtrakt aufnimmt. So hat sie zweierlei positive Wirkung auf den Organismus und unterstützt den Körper beim Abbau von Schadstoffen. Kieselerde kann entweder in Reinform oder als Bestandteil eines Zusatzfuttermittels in Verbindung mit weiteren Wirkstoffen verabreicht werden.Auch das Schüssler Salz Nr 11 (Silicea D 12) kann unterstützend sowohl während der Zeit des Fellwechsels als auch bei hautempfindlichen Pferden langfristig eingesetzt werden. Die Tabletten werden von den Pferden teilweise gerne direkt aus der Hand genommen oder können auch in einem Apfel oder einer Karotte „verpackt“ gefüttert werden. Die empfohlene Dosierung liegt bei 10 Tabletten täglich.Ein weiteres Schüssler Salz, das Haut und Haar während des Fellwechsels unterstützt, ist die Nr. 21 (Zincum Chloratum D 6). Zink stimuliert nicht nur das Immunsystem, sondern unterstützt die Leber bei ihren Abbauprozessen und stabilisiert die Zellmembranen. Auch Zink ist bei der körpereigenen Herstellung von Kollagen beteiligt und fördert damit einen gesunden Hautstoffwechsel. Beide Schüssler Salze können in Kombination verabreicht werden.

Zusatzfutter für gesundes Fell und intakte Haut

Diverse Zusatzfuttermittel speziell für die Haut- und Haargesundheit sind am Markt erhältlich. Neben den bereits genannten Inhaltsstoffen enthalten diese Futtermittel meist Zink, B-Vitamine sowie Biotin, die schwefelhaltige Aminosäure Methionin und stoffwechselfördernde Bestandteile wie Seealgen und Kräuter in verschiedenen Zusammensetzungen. Biotin, auch bekannt unter Vitamin H, ist wasserlöslich und wird durch Bakterien im Dickdarm vom Pferd selbst gebildet. Es kann aber durchaus Sinn machen, dem Pferd zusätzliches Biotin zuzuführen, z. B. bei schlechter Horn- und Fellqualität. Studien belegen, dass die Hornqualität bei einer Zufütterung von bis zu 25 mg Biotin täglich positiv beeinflusst wird. Auch der Hautstoffwechsel wird durch Biotin unterstützt und profitiert dementsprechend von einer Zufütterung.Zink ist wichtig für eine intakte Hautfunktion und ist dafür bekannt, das Immunsystem gegen Infekte zustärken. Zink ist in zahlreichen Kombinationen als Zusatzfuttermittel am Markt erhältlich.Zu beachten gilt, dass natürliche Vitamine und Mineralstoffe aus reinen Kräutermischungen den Ruf haben, wesentlich besser vom Körper aufgenommen zu werden als synthetisch hergestellte. Weiterhin gilt, dass gerade für allergisch reagierende Pferde (Ekzemer!) auf Futter mit möglichst wenigen Zusatz- bzw. Füllstoffen zurückgegriffen werden sollte. Je naturbelassener die Ernährung ist, desto weniger unnötige Stoffe sind in der Ration enthalten, mit denen sich der Organismus auseinandersetzen muss.

Die Leber stärken

Wie oben bereits erwähnt, sollte man nicht versäumen, die Leber als Entgiftungsorgan zu stärken, da sie bei allen Stoffwechselvorgängen eine Schlüsselfunktion einnimmt. Leberschäden werden leider meist viel zu spät erkannt, da sie weder Schmerzen verursachen, noch durch eindeutige klinische Symptome auf sich aufmerksam machen. Bei diffusen Krankheitsbildern – und dazu gehört auch ein gestörter Fellwechsel oder unerklärliche Abmagerung – sollte ein Blutbild Aufschluss über die Leberwerte geben.Achtung: hat das Pferd tatsächlich schlechte Leberwerte, sollten Öle nur in geringer Menge verfüttert werden, sprich kleine Dosen zur Unterstützung des Fellwechsels ja, größere Mengen, um den Energiegehalt der Ration aufzuwerten nein. Die Leberfunktion kann gezielt gestärkt werden durch pflanzliche Komponenten: Neben den typischen „Leber-Pflanzen“ Artischocke und Mariendistel, die u. a. den Gallefluss anregen, sollte die Nierenfunktion unterstützt werden, um die Ausscheidung von Giftstoffen zu fördern. Hier kommen vor allem Birkenblätter, Brennessel, Löwenzahn und Zinnkraut zum Einsatz.

Dem Ekzem rechtzeitig den Kampf ansagen

Wie eingangs erwähnt sollte man mit dem Optimieren der täglichen Ration an Grundfutter und Hautstoffwechsel-unterstützenden Zusätzen nicht warten, bis der Fellwechsel in vollem Gange ist, sondern bereits zeitig im Jahr mit der Hautpflege von innen beginnen. Auch eine allgemeine Blutuntersuchung hilft, Mängel rechtzeitig aufzudecken und gegenzusteuern, bevor der Stoffwechsel völlig entgleist, der Fellwechsel sich unnötig lange hinzieht und die Haut schuppig, fettig oder schrundig ist.Das gilt besonders für Pferde, die als hautempfindlich gelten, immer wieder Probleme mit dem Fellwechsel haben und natürlich für Ekzemer. Wer jetzt schon die Haut stärkt, wird im Sommer wesentlich weniger Probleme zu bekämpfen haben und die eine oder andere Mähne und Schweifrübe bleiben seidig und lang wie man es sich wünscht. Jetzt gestärkt und unterstützt wird die Haut in den kommenden Monaten trotz Sonne und anderen Außeneinflüssen elastisch und widerstandfähig sein und kleiner Verletzungen und Stiche problemlos verheilen.Friederike Fritz