Hautgesundheit - Ohne Scheuern durch den Sommer
Die Haut unserer Pferde muss einiges aushalten: Sie wird gebürstet und gestriegelt, gewaschen und besprüht, mit Dreck verkleistert und von der Sonne gebruzzelt, von Sattel und Zaumzeug gequetscht und unter Decken fast erstickt. Dabei hat sie es sowieso nicht gerade leicht, denn als größtes Organ hat die Haut viele anstrengende Aufgaben zu erfüllen. Thermoregulation, Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalts, Bildung von Vitamin D, Sinnesorgan, UV-Schutz, Schutz des Körperinneren, Ausscheidung. Dass ihr das alles manchmal zu viel wird und sie dann reagiert, kann man gut verstehen!Trotz ihrer „Außenseiterstellung" hat die Haut im Organismus eine zentrale Rolle. Deshalb gilt: Hautprobleme wirken sich auf den gesamten Organismus aus, Schwierigkeiten anderswo im Organismus wirken sich auch auf die Haut aus. So lohnt bei Hautproblemen durchaus auch der Blick über den Tellerrand der Epidermis hinaus auf Leber, Darm und Co., um dort Ursachenforschung zu betreiben. Schon jetzt ein Thema: das SommerekzemAuf der Hitliste ganz oben steht das Sommerekzem, das unseren Pferden die schöne Jahreszeit gründlich vermiesen kann. Beim Sommerekzem handelt es sich um eine allergische Reaktion auf den Stich bestimmter Insekten bzw. auf Bestandteile des Speichels dieser Stechinsekten. Diese Allergene verursachen während der warmen Jahreszeit (je nach örtlichen klimatischen Gegebenheiten von März bis November) starken Juckreiz. Betroffene Pferde schubbern sich vor allem im Bereich von Mähnenkamm und Schweifrübe, aber auch entlang der Bauchnaht, am Kopf oder der Kruppe. Es kommt zu Haarausfall und großflächiger Schädigung der Haut. Erkennbar sind haarlose Bereiche, Verdickungen, nässende Stellen, Rötungen. Langfristig wird die Haut vor allem im Bereich der Mähne oft dick und schrundig (Pachydermie). Die geschädigten Bereiche können sekundär von Keimen besiedelt werden, was das Krankheitsbild verschlimmert. Die Veranlagung zum Sommerekzem ist erblich. Zwar tritt es bei importierten Islandpferden besonders häufig auf, doch auch bei nahezu allen anderen Rassen kommt es vor und es ist fast auf der ganzen Welt bekannt. Das Sommerekzem ist nicht heilbar, aber mit geeigneten pflegerischen Maßnahmen gut beherrschbar. Am einfachs-ten und oft wirkungsvollsten ist die Abwehr der Insekten, entweder durch Insektizide oder durch Ekzemdecken. Die veränderten Hautbezirke müssen mit geeigneten Salben, Cremes oder Lotionen sorgfältig gepflegt werden. Etwaige Sekundärinfektionen (Besiedelung der vorgeschädigten Bereiche mit Keimen) werden behandelt. Manche Pferdehalter berichten von einer merkbaren Verbesserung durch die Fütterung von Futtermitteln mit Inhaltsstoffen, die das Pferd später ausdünstet und die Insekten abzuschrecken scheinen. Versucht werden häufig auch naturheilkundliche Therapien und/oder Maßnahmen, die das Abwehrsystem wieder ins Lot bringen. Wenn die Sonne (ver)brenntVom Sommerekzem zum Sonnenekzem: Korrekt heißt es natürlich Sonnenbrand. Das Licht besteht aus elektromag-netischen Wellen mit unterschiedlichem Energiegehalt. Ist die Haut ungeschützt über längere Zeit der Sonnenstrahlung ausgesetzt, kommt es zu Hautproblemen, da die Energie der Strahlung Hautzellen schädigen und zerstören kann. Wie beim Menschen auch reicht die Spannbreite eines Sonnenbrands beim Pferd von einer leichten Reizung und Rötung bis zur großflächigen Verbrennung der oberen Hautschichten.Neben dieser einfachen Version existiert aber auch noch eine Turbo-Variante, die Fotosensibilität genannt wird. Nimmt das Pferd bestimmte Pflanzen auf (Johanniskraut, Buchweizen, manche Kleearten oder Luzerne), reagiert es danach zeitweise überempfindlich auf das Sonnenlicht. Der Grund: Diese Pflanzen enthalten fototoxische Substanzen "- das sind chemische Verbindungen, die sich in die Haut einlagern und wie eine Art Verstärker die Wirkung des Sonnenlichts potenzieren. Außer dieser primären Fotosensibilität tritt beim Pferd auch eine sekundäre Form auf, deren Ursache eine Lebererkrankung ist. Auch ohne den Einfluss fototoxisch wirkender Substanzen können Pferde Sonnenbrand bekommen. Besonders empfindlich sind Körperregionen mit weißem Fell und unpigmentierter Haut, also Abzeichen im Gesicht oder im Bereich der Gliedmaßen. Das betroffene Pferd wird in den Schatten verbracht. Kühlende Umschläge bekämpfen Schwellung und Schmerz, pflegende Lotionen beruhigen die Haut. Messerrückendick aufgetragene Zinklebertransalbe hilft nicht nur als hervorragende Heilsalbe, sondern schützt auch vor der Sonne. Ist es bereits zu Verbrennungen und/oder Infektionen der geschädigten Haut gekommen, muss der Tierarzt therapeutisch eingreifen. Überprüfen Sie die Weide auf Pflanzen mit fototoxischen oder lebertoxischen Inhaltsstoffen. Schützen Sie Pferde mit großen Abzeichen im Gesicht mit einer Gesichtsmaske oder einer Fliegenmaske mit Nüsternschutz. Allergien können viele Ursachen habenPferde neigen stärker zu Allergien als viele andere Tiere, deswegen begegnen uns recht häufig Hautprobleme, deren Ursache ein Amok laufendes Immunsys-tem ist. Die körpereigene Abwehr ist so in ihrer Funktion gestört, dass eine heftige Immunantwort durch Stoffe hervorgerufen wird, die eigentlich unproblematisch sind. Allergien können durch ganz unterschiedliche Stoffe "- Parfüme oder Farbstoffe im Shampoo, Eiweiße im Insektenspeichel, Pollen in der Atemluft, Medikamente "- ausgelöst werden, die Stoffe (Allergene) können auf verschiedene Weise in oder an den Pferdekörper gelangen (Einatmen, Spritzen, Einreiben, Stechen, Fressen). Allergien lassen sich einfach und schnell durch Cortison behandeln, einen Stoff, der auch im Körper selbst gebildet wird und das Immunsystem zeitlich begrenzt hemmt, sodass es nicht mehr überreagieren kann. Auch Antihistaminika oder Calciumpräparate werden bei akuten Allergien eingesetzt. Damit wird das Pferd aber nicht von seiner Allergie geheilt, es werden lediglich die Symptome behandelt. Im Zusammenhang mit Hautproblemen begegnet uns nicht nur das Sommerekzem, sondern auch eine weitere Allergie, Nesselsucht (auch Nesselfieber oder Urtikaria) genannt. Es sieht schon bedenklich aus, wenn ein Pferd urplötzlich über und über mit Quaddeln bedeckt ist. Scheinbar ohne Anlass bricht die Beulenpest aus "- aber es sieht in aller Regel gefährlicher aus als es ist. Die Nesselsucht ist nicht ansteckend und heilt meist von selbst komplikationslos ab. Kleine oder große, runde, erhabene Bezirke erscheinen auf der Hautoberfläche, die Haut selbst ist intakt, das Fell erscheint im Bereich der Erhebungen ein wenig gesträubt, dem Pferd aber geht es allem Anschein nach gut. Meist verschwinden diese Quaddeln von selbst, manchmal aber geht die Reaktion weiter, es tritt Exsudat aus und es entwickelt sich Juckreiz. Doch auch diese Hautveränderungen heilen schnell ab, die Allergie kann allerdings jederzeit wieder auftreten, wenn das Pferd erneut in Kontakt mit dem Allergen kommt. Wenn die Laus im Pelz sitzt Jetzt haben wir uns lange genug vor den ekligsten Verursachern von Hautproblemen gedrückt, hier sind sie nun: Die Ektoparasiten. Alles, was außen am Pferd krabbelt, beißt und sticht, wird als „Ektoparasit" bezeichnet, während „Endoparasiten" das Innere eines Pferdes unsicher machen. Besonders häufig kommen beim Pferd Haarlinge, manchmal auch Läuse und Milben vor.Haarlinge treten vor allem im Frühjahrsfellwechsel auf. Die kleinen Biester ernähren sich von Hautschuppen, sitzen bevorzugt zunächst unter Mähne und Schopf oder anderen, dicht behaarten Bereichen (gerne auch im Gesicht) und verursachen Juckreiz. Die befallenen Pferde scheuern sich, das Haarkleid wirkt in den betroffenen Bereichen oft struppig und wie mit einer stumpfen Schere abgeschnitten, auch einzelne völlig haarlose (kahl gescheuerte) Bereiche fallen auf. Läuse waren früher und zu Zeiten des massenhaften Imports von Pferden aus dem osteuropäischen Raum ein Thema, sie treten heute kaum mehr auf. Gegen beide Ektoparasiten helfen Waschungen mit insektizidhaltigen Shampoos, bei Haarlingsbefall kann auch der entsprechende Bereich großzügig geschoren werden, wenn dies aufgrund von Haltungsbedingungen und Witterungslage möglich ist "- diese Radikalkur entzieht den Haarlingen die Lebensgrundlage und macht dem Spuk oft schnell ein Ende. Wesentlich unangenehmer sind verschiedene Milbenarten, die sich in der Pferdehaut wohl fühlen. Ob Chorioptes-, Psoroptes- oder Sarkoptesmilbe, alle führen zu Hautveränderungen (Schuppen, Krusten, Haarausfall, Faltenbildung) und ganz erheblichem Juckreiz. Jede Milbenart befällt bevorzugte Bereiche, häufig kommt es aber zu einem Mischbefall oder zu bakteriellen Sekundärinfektionen der geschädigten Haut. Besonders häufig, aber nicht immer, werden Milben im Zusammenhang mit Mauke und Raspe nachgewiesen. Vereinzelt treten auch Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) auf, die wir sonst vor allem von Hundepfoten kennen.Bei Verdacht auf Milbenbefall wird eine Hautprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Milben werden von außen mit Akariziden (Achtung: Milben sind Spinnentiere, Insektizide helfen hier nicht!) behandelt. Hautpilz oft ein selbst gemachtes ProblemAbschließend darf nicht vergessen werden, dass unsere Pferde auch als lebendes Kultursubstrat für so manchen Hautpilz herhalten müssen. Pilze der Gattungen Dermatophilus und Trichophyton gehören zu den ubiquitären Keimen "- sie oder ihre Sporen können eigentlich überall auftreten. Pilze mögen es feucht, warm und dunkel, sie vertragen keine UV-Strahlen.  Deshalb beginnt die Erkrankung bevorzugt unter der Mähne, sie tritt aber auch gerne in Sattel- und Gurtlage auf (nach dem Reiten feucht) und verbreitet sich von dort aus über den ganzen Körper. So manche Hautpilzerkrankung verläuft allerdings untypisch, sodass bei unklaren Hautveränderungen immer auch an eine Pilzinfektion gedacht werden muss. Zwar breiten sich Hautpilze oft seuchenartig im gesamten Bestand aus, doch ist nicht sicher, ob hierbei die Ansteckung von Pferd zu Pferd oder über gemeinsam benutzte Gegenstände überhaupt die entscheidende Rolle spielt. Hautpilze sind ubiquitäre (überall vorkommende) Organismen, die sich nur unter bestimmten Bedingungen auf der Haut ansiedeln und dort massenhaft vermehren können und die innerhalb eines Stalles oft eben bei vielen Pferden gleichzeitig optimale Voraussetzungen für eine Infektion antreffen. Dazu gehören: häufiges Waschen, geringe UV-Strahlung (Wintermonate, nicht artgerechte Haltung), schlechte Abwehrlage durch Fehler in Haltung, Fütterung und Training, feuchtwarmes Stallklima. Behandelt wird der Hautpilz durch Salben, Waschungen oder in schweren Fällen durch oral zu verabreichende Medikamente. Putzzeug, Decken usw. sind zu desinfizieren. Eine Vorbeugung durch Impfung ist möglich, bietet aber keinen vollständigen Schutz. Wichtig: Anders als bei anderen Impfungen kann diese auch beim bereits erkrankten Pferd eingesetzt werden und führt dann zu einer schnelleren Abheilung.Text: Angelika Schmelzer, Foto: Guni