Heufütterung
Heufütterung: Zupfen rund um die Uhr

Fressen, fressen, fressen ... das ist nicht nur die Lieblingsbeschäftigung unserer Vierbeiner. Nein – auch aus ernährungsphysiologischen Gründen sollte „Dauerfresser“ Pferd quasi rund um die Uhr kleine Mengen rohfaserreiches Futter aufnehmen.

Von der Natur eingerichtet besitzt das ehemalige Steppen- und Fluchttier einen relativ kleinen Magen, der stets und kontinuierlich „bedient“ werden möchte. Kommt es zu längeren Fresspausen, wirkt sich das – besonders in den kalten Monaten - schädlich auf die Gesundheit des Pferdes aus. Hat der Verdauungsapparat über längere Zeit nichts zu tun, sterben im Darm wichtige Mikroorganismen ab. Neben schweren Erkrankungen wie Koliken oder toxischer Hufrehe können Koppen, Weben oder andere Unarten, die sich aus Langeweile einschleichen, die Folgen sein. Weiterhin funktioniert bei besonders kalten Witterungsbedingungen die natürliche Thermoregulierung nicht mehr einwandfrei, wenn nicht für kontinuierlich für „Brennstoff“ gesorgt wird.

Zweimal täglich ist zu wenig

Während es in den Weidemonaten relativ einfach ist, dem physiologischen Bedürfnis der Vierbeiner nachzukommen, gestaltet sich dies in den Wintermonaten schwierig. Meist wird zwei- bis dreimal täglich eine Portion Heu vorgelegt, die relativ schnell aufgefressen ist. Das vorgelegte Heu wird mit buchstäblich vollen Backen in kürzester Zeit viel zu hastig weggefressen. Wer glaubt, das Pferd sei dann satt, der irrt.Das Sättigungsgefühl ist – übrigens ähnlich wie bei uns Menschen – nicht unbedingt abhängig von der einverleibten Menge, sondern von der Anzahl der geleisteten Kauschläge. Satt ist ein Pferd also erst dann, wenn es ausreichend lange gekaut hat – auch wenn der (kleine) Magen bereits vorher voll war. Doch nicht nur das durch die Sättigung hervorgerufene Wohlbefinden spielt bei der Fütterung eine Rolle, sondern auch gesundheitliche Aspekte: Wird das vorgelegte Futter durch zu schnelles Fressen nicht ausreichend eingespeichelt, produziert der Magen zu viel schädigende Säure. Ein Grund, warum laut Schätzungen zirka 80 Prozent aller Pferde unter Magengeschwüren leiden!

Macht freie Raufuttergabe fett?

Nun bereitet es vielen Pferdebesitzern Sorgen, ihr Pferd könne sich bei freier Raufuttergabe überfressen bzw. zu sehr an Gewicht zulegen. Diese Sorge bleibt in den meisten Fällen unbegründet. Hat ein Pferd erstmal begriffen, dass es nicht mehr nur zweimal täglich fressen kann, sondern rund um die Uhr ausreichend Futter zur Verfügung steht, so frisst es stets nur so viel, bis ein Sättigungsgefühl eintritt und legt dann wieder eine Pause ein. Allerdings ist es wichtig, dass das Raufutter nicht hastig weggefressen werden kann, sondern praktisch Halm für Halm gezupft und gekaut wird. Ziel muss also sein, zum einen ausreichend Raufutter vorzulegen und zum anderen die Fresszeiten möglichst in die Länge zu ziehen. Was die Menge angeht, so sollte dem Pferd im Winter zwischen 1,2 und 1,5 kg Heu pro 100 kg Lebendgewicht zur Verfügung gestellt werden. Diese Menge gilt es, möglichst so anzubieten, dass das Pferd so lange wie möglich beschäftigt ist. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Heunetzen, Raufen und Vorrichtungen, die so angelegt sind, dass das Pferd immer nur ein paar Halme zupfen kann und entsprechend langsam frisst.

Moderne Heunetze ermöglichen „naturnahe“ Fütterung

Das Heunetz ist wohl die bekannteste Methode, die Fresszeit auszudehnen und somit das Kauen und Einspeicheln zu intensivieren. Ein Heunetz verlängert je nach Maschenweite die reine Fresszeit um bis auf das Vierfache. Dabei gilt: je engmaschiger ein Heunetz ist, desto „mühsamer“ und langwieriger wird das Fressen für den Vierbeiner. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Heu sauber bleibt und kaum etwas vertrampelt wird. Die Auswahl am Markt ist groß und vielseitig, so dass für alle Bedürfnisse die passende Lösung zu finden sein sollte. Auch Sonderanfertigungen sind möglich.

Maschenweite beachten

Heunetze sind in den Maschenweiten 3 x 3 cm bis ca. 7 x 7 cm erhältlich. Bei der Wahl der Maschenweite kommt es sehr auf Rasse, Pferdetyp und Temperament an. Während geduldige Vertreter hingebungsvoll aus einem besonders engmaschigen Netz zupfen, sind temperamentvolle, hektische Pferde schnell genervt, wenn sie sich zu sehr anstrengen müssen. Oftmals zerbeißen sie in ihrem Eifer die Netze sehr schnell oder reißen sie aus der Befestigung. Meist ist in diesen Fällen das Heu zu fest gepresst und das Pferd findet den Anfang nicht (einmal losgezupft, werden die Halme nachgezogen) oder aber es wird eine zu geringe Menge gefüttert bzw. nicht rechtzeitig nachgefüllt worden, so dass das Pferd versucht, die allerletzten verbliebenen Halme aus dem Netz zu ziehen und es dabei beschädigt.Wichtig ist weiterhin, die Beschaffenheit des Heus zu berücksichtigen, wenn Heunetze im Einsatz sind: lange und/oder grobe Fasern sind schwerer zu zupfen als kurze, weiche. Auch die Pressung spielt eine Rolle. Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie schwer das Pferd es hat, Heu aus dem Netz zu zupfen, sollte man immer wieder mit den Fingern prüfend zupfen.

Auf Qualität achten

Generell sollte man auf eine stabile Materialbeschaffenheit des Netzes achten, damit man nicht permanent neue Netze kaufen muss, denn auch bei vorsichtigen Fressern ist die Beanspruchung dennoch groß, alleine durch das Rupfen des Heus aus den Maschen. Heunetze aus Polypropylen oder Polyamid sind sehr stabil und haltbar, man sollte jedoch auf möglichst dunkle Farben achten, da diese UV- und witterungsbeständiger sind. Auch die Aufhängung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: Direkt an Haken eingehängt verschleißen die Netze sehr viel früher, als wenn sie über Schnüre eingehängt werden. Zerreißen diese, kann man sie leicht auswechseln.Wichtig ist, dass die Maschengröße stets geringer ist als die Hufgröße. Apropos Hufe: Dass Heunetze potentiell für beschlagene Pferde gefährlich werden könnten, sollte klar sein. Deshalb dürfen sie bei beschlagenen Pferden nur benutzt werden, wenn man sich sicher sein kann, dass der Vierbeiner ohne zu scharren frisst.

Ergonomische Fresshaltung

Bei der Anbringung von Heunetzen ist stets darauf zu beachten, dass sie nicht zu hoch aufgehängt werden. Die Befestigungshöhe (zirka 15 cm über dem Boden) ist so zu wählen, dass das Pferd aus seiner natürlichen Fresshaltung fressen kann und das Heu wird nicht verdorben wird. Das Pferd sollte immer in ergonomischer Fresshaltung zupfen können. Zu hoch gehängte Netze zwingen das Pferd, in einer unnatürlichen und auf die Dauer schädlichen Haltung zu fressen. Stabile Großraumnetze können zwischen Stallbalken, Weidepfosten oder an der Wand befestigt werden. Bei den rechteckigen Netzen ist auch ein Vierpunktbefestigung möglich, so dass auch die unteren Ecken fest verankert sind.

Ideal für staubempfindliche Pferde

Natürlich kann Heu für Hustenpferde und Stauballergiker auch nass aus dem Netz gefüttert werden. Allerdings ist das komplizierte Einweichen in vielen Fällen gar nicht mehr notwendig: Der durch oftmals zu tiefes Abmähen im Heu eingeschlossene Dreck in Form von Erde (dieser macht das Heu staubig), rieselt beim Zupfen aus dem Netz auf den Boden, ohne dass das Pferd Staub einatmet. Husten die Pferde dennoch, kann man davon ausgehen, dass das Heu mit Schimmel- oder Pilzsporen durchsetzt, also von gesundheitsschädigender Qualität ist und eigentlich auf den Misthaufen gehört, auch wenn durch das Einweichen die Belastung für die Atemwege abnimmt.

Moderne Heuraufen

Neben den Heunetzen werden mittlerweile auch durchdachte Heuraufen angeboten, die nur langsame, zupfende Aufnahme des verfütterten Heus erlauben. Meist handelt es sich um Tröge, die befüllt werden; ein schweres, nachrutschendes Gitter sorgt dafür, dass das Pferd auch hier nur geringe Mengen aufnehmen kann und sich dadurch die Fresszeit verlängert. Neben den Trögen gibt es spezielle Raufen, die im oberen Bereich geschlossen sind und nur in optimaler Fresshöhe mit einem engmaschigen Gitter ausgestattet sind. Diese nehmen z. T. sogar einen gesamten Tagesbedarf auf und so kann das Pferd sein Raufutter bei freier Zeiteinteilung fressen.Auch für Großraufen, die mit Rund- oder Quaderballen bestückt werden, gibt es passende Heunetze, so dass auch hier langsames Fressen gefördert werden kann.Friederike Fritz