Insektenalarm!

Stichfrei durch den Sommer – gewusst wie!

Endlich ist es Frühling geworden: Unsere Westernpferde freuen sich mit all ihren Kollegen auf ausgedehnte Weidegänge, interessante Aufgaben und viel Zeit an der frischen Luft, wir Reiter auf gemütliche Ausritte, spannende Turniere und intensives Training. Sie könnte so schön sein, die Sommerzeit, wenn da nicht die vielen fliegenden und krabbelnden Plagegeister wären: Sommerzeit ist immer auch Insektenzeit!

 

Ob Insekt oder Spinnentiere: Die kleinen Krabbler können je nach Schadwirkung als- Lästling,- Parasit,- Krankheitsüberträger oder- Allergieauslösereingeordnet werden. Allerdings sind viele der kleinen Brummer durchaus multi-tasking-fähig…

 

Schutzhüllen

Zum Glück sind wir dem Angriff der Insektenwelt nicht schutzlos ausgeliefert. Abhilfe versprechen verschiedene Ansätze, die - oft in sinnvoller Kombination - sehr effektiv wirken.Genial einfach, einfach genial ist eine rein mechanische Insektenabwehr: Kommt der Krabbler gar nicht zum Zug, kann er nicht nerven und schon gar nicht krank machen. Auf der Weide freut sich Ihr Pferd über eine bequeme, dicht schließende Augenmaske, die möglichst auch die Ohren und den Nasenbereich schützt. Diese Fliegenmasken halten, wie der Name andeutet, vor allem die lästigen Fliegen ab, die im Gesicht des Pferdes nach Flüssigkeit suchen und hartnäckig vor allem rund um die Augen krabbeln. Moderne Masken stören das Pferd nicht und können bei guter Passform nahezu rund um die Uhr am Kopf verbleiben. Positive Nebeneffekte: Große Abzeichen am Kopf werden vor Sonnenbrand, empfindliche Augen vor Staub und intensiven Sonnenstrahlen geschützt. Auch Headshaking-Symptome werden oft abgemildert. Viele Reiter haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Pferde auch bei der Arbeit unter dem Sattel mit Fliegenmasken auszustatten, sofern diese ausreichend durchsichtig sind. Beim Training über Hindernisse oder bei Geländeritten mit schwierigem Geläuf sollten sie allerdings nicht verwendet werden.Hübsche Ohrenmasken sollen Insekten davon abhalten, es sich rund um die Ohrmuscheln des Pferdes gemütlich zu machen und das Pferd durch ihr Gekrabbeln in diesem sensiblen Bereich abzulenken. Sie bieten keinen Schutz vor den Fliegen, die sich rund um Augen und Nüstern aufhalten und sollten deshalb entweder über einen langen Fransenvorhang am Abschluss verfügen oder durch ein Fransenstirnband ergänzt werden. Diese Fransen sollten lang genug sein, um auch den Nasenbereich abzudecken und schwer genug, um nicht vom leichtesten Luftzug verweht zu werden. Kleine Knötchen jeweils am Ende sorgen dafür, dass Fliegen und Co. bald entnervt das Revier verlassen. Fransen und Knoten sollten natürlich nicht so beschaffen sein, dass sie das Pferd irritieren oder gar verletzen.Großmaschige, gewöhnliche Fliegendecken für die Weide oder Wartezeiten auf der Show bieten nur eingeschränkt Schutz, da sie Bauch, Kopf und Hals freilassen und den meist äußerst hartnäckigen Bremsen nichts entgegen zu setzen haben. Ergänzen Sie diese einfachen Decken mit einer Fliegenmaske und einem Repellent oder wählen Sie gleich ein Modell, das den ganzen Körper umhüllt. Inzwischen bieten Reitsportausstatter längst ein großes Sortiment an hochwertigen Fliegendecken an, die oft über Bauchlatz, Schweifabdeckung und Halsteil verfügen und Ihr Pferd so wirklich rundum schützen. Ähnliche Modelle sind als spezielle Fliegen-Ausreitdecken erhältlich; bei ihnen wird der Sattelbereich wie bei einer Regenausreitdecke ausgespart.

 

Landeverbot bei Ekzemerpferden

Absolutes Landeverbot für Stechinsekten ist bei Allergikern geboten, also bei Pferden, die am Sommerekzem erkrankt sind oder Kollegen, die auf Stiche bestimmter Insekten mit Reaktionen etwa wie Hautausschlägen oder asthmatischen Symptomen reagieren. Den besten und einfachsten Schutz bieten sogenannte Ekzemerdecken, die das Pferd rundum einhüllen und sehr effektiv vor Insektenstichen schützen. Diese Decken sind aus sehr leichtem, luftdurchlässigem und schnell trocknendem Material und können bei guter Passform lange am Pferd verbleiben. Es gibt sie inzwischen dank gestiegener Nachfrage längst in fast allen Größen. Die Kopfpartie kann durch ein ergänzendes Kopfteil geschützt werden, allerdings zeigt die Erfahrung, dass dies meist leicht verrutscht und dann die Augen bedeckt. Dann ist es besser, die Ekzemdecke durch eine gewöhnliche Fliegenmaske zu ergänzen, die besser versteift und in allen Teilen durchsichtig ist. Meist empfiehlt es sich übrigens, eine zweite Decke zu bevorraten, damit der Allergiker nicht schutzlos ist, während seine „zweite Haut“ gewaschen oder geflickt wird. Allergikerpferde tragen ihre Decken übrigens Tag und Nacht und sollten auch während des Ausrittes einen Fliegenschutz erhalten.

 

Wann auf die Weide?

Wo immer möglich, schicken Sie Ihre Pferde nicht während der Dämmerung auf die Weide: Einige der schlimmsten Plagegeister sind vor allem dämmerungsaktiv und meiden die Zeit des Sonnenhöchststandes sowie die Nacht. Zwischen etwa neun Uhr am Morgen und 17-18 Uhr am Nachmittag haben Ihre Pferde Ruhe, ebenso nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang.

 

 

Insektenschutz im Stall

Jede Öffnung, die frische Luft in den Stall lässt, ist leider auch eine Einladung an Mücke und Co. Abhilfe schaffen Fliegenschutzgitter am Fenster und Plastikvorhänge am Stalleingang. Je schlechter die Stallhygiene, desto attraktiver wird das Wohnzimmer unserer Pferde vor allem für Fliegen. Feuchte Matratzen, gärende Futterreste, Urinpfützen locken Plagegeister scharenweise an und bieten ihnen Nahrung und optimale Eiablageplätze. Ein sauberer, trockener und luftiger Stall dagegen ist für Fliegen und Mücken weniger attraktiv. Leimfallen zur Insektenabwehr sind im Stall nicht die beste Wahl. In Leimfallen verfangen sich auch Vögel, die versehentlich darauf landen oder Nützlinge wie etwa Spinnen; fallen die Klebstreifen versehentlich herunter, verkleben sie unlösbar mit Mähnenhaaren und Pferdekruppen und lösen schlimmstenfalls eine Panik aus. Ganz ohne Chemie kommen UV-Lampen aus, die unerwünschte Insekten erst mit kurzwelligem Licht anlocken und ihnen dann mittels Stromschlag ratzfatz den Garaus machen.

 

Sprühen, Rollen, Einreiben

Im Handel ist eine Vielzahl von Mitteln erhältlich, die aufgesprüht oder mittels Schwamm oder Deoroller aufgetragen werden. Man unterscheidet Insekten tötende Insektizide von Insekten abwehrenden Repellents. Viele Produkte enthalten gleichzeitig pflegende Substanzen, einen Sonnenschutz oder sind für Pferd und Reiter gleichermaßen geeignet. Was deren Wirksamkeit angeht, machen Pferdehalter ganz unterschiedliche Erfahrungen mit den verschiedenen Produkten; hier gilt es, diverse Mittel auszuprobieren. Die Wirkung der auf das Fell aufgetragenen Mittel lässt mit der Zeit nach. Für längere Ausritte empfiehlt es sich deshalb, eine kleine Sprayflasche mitzuführen und das Pferd vor allem bei Pausen nachzubehandeln.Nicht jedes Pferd toleriert anfangs das unheimliche Zischen der Sprühflasche oder die plötzliche „Berührung“ des Sprays. Hier kann es helfen, wenn der Reiter ganz offen mit der Flasche hantiert und das Pferd mittels Klopfen und rhythmischen Zischlauten ablenkt. Es gelingt so meistens, das Zischen des Insektensprays unter dem Zischen des Reiters zu verstecken und auch die Tastempfindung des auftreffenden Sprays mit Klopfen und Streicheln zu überdecken. Panisch reagierenden Pferden wird das Mittel mit einem Schwamm oder feuchten Tuch aufgetragen.

Text Angelika Schmelzer

Aufmacher: Insekten sind vor allem eines: extrem lästig. Foto: A. Schmelzer