Eine qualitätsvolle Kardätsche leistet wertvolle Dienste.
Eine qualitätsvolle Kardätsche leistet wertvolle Dienste.

Glanz und Gesundheit für Haut und Fell

„Lang der Strich und kurz die Pause“, mit diesen Worten wurde man früher in die Kunst des Pferdeputzens eingewiesen. Während es früher hauptsächlich um den tadellosen Glanz des Vierbeiners ging, weiß man heute um die wohltuende und gesundheitsfördernde Wirkung beim täglichen Putzen.

Während die einen auf das tägliche Bürsten ihres Pferdes keinesfalls verzichten möchten und Haut und Haar mit allem, was es an Borsten und Chemie zu kaufen gibt auf die Pelle rücken, plädieren die anderen für „natürlichen Hautschutz“ – häufig mit dem Ergebnis, dass die Vierbeiner verzottelt und matschverschmiert tagelang in einem Paddock stehen, im Winter Mauke inklusive.

Wie bei so vielem im Leben gilt es, auch hinsichtlich der Körperpflege des Pferdes den – sprichwörtlich –gesunden Mittelweg zu finden. Putzen mit Gesundheitsnutzen Gerade im Fellwechsel ist regelmäßiges Putzen und das Entfernen des losen Haares eine Wohltat für die Pferde. Wer dem Pelz allerdings mit Feder- und Eisenstriegel zuleibe rückt, kann auf der Haut großen Schaden anrichten. Nicht nur, dass es dem Pferd Schmerzen bereitet, wenn die Zacken des Striegels herzhaft über die Haut schrubben, nein, der Haut werden dabei auch Läsionen zugefügt, die wiederum möglichen Krankheitserregern dann den Zugang „ins“ Pferd erleichtern. Das gleiche gilt für übermäßig aufgebrachte Chemie in Form von nicht auf den PH-Wert der Pferdehaut abgestimmte Shampoos, Seifen und andere Pflege- und Reinigungsmittel.

Zu häufiges Shamponieren schadet der Haut insofern, als dass wertvolle fette entzogen werden und der Säureschutzmantel der Haut angegriffen bzw. langfristig zerstört wird. Eine wie auch immer geschädigte Haut ist in ihrer Schutz- und Barrierefunktion gestört.

Alleskönner Kardätsche

Das wertvollste Stück, das eine Putzkiste zu bieten hat, sollte die Kardätsche sein. Traditionell wird das Fell durch kreisendes Striegeln aufgeraut und danach mit der Kardätsche glattgebürstet und staubfrei gemacht. Nach jedem „langen“ Strich wird die Kardätsche mit den Borsten über den in der anderen Hand gehaltenen Striegel abgestrichen, um so den Staub nicht erneut aufs Pferd zu bringen. Ein qualitativ hochwertiges Exemplar ist eine lohnende Anschaffung.

Früher musste eine Kardätsche aus Rosshaar gefertigt sein, je feiner und dichter, desto mehr Glanz brachte man aufs Fell. Ein Bürstenkörper aus Holz hat den Vorteil, dass er er eine natürliche antibakterielle Wirkung hat. Die im Holz enthaltenen Tanine sorgen dafür. Rosshaar und Schweineborsten haben beide eine so genannte „Fahne“. Diese Fahne – auch Reinigungsfahne genannt – kommt zustande, weil Schweineborsten und Rosshaar an ihrer Spitze von Natur aus V-förmig gespalten sind. Durch diese Form binden sie den Staub aus dem Fell besonders gut. Wenn die Kardätsche am Striegel abgestreift wird, landet der gebundene Staub im Striegel und das V ist wieder aufnahmebereit. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Borsten sorgfältig verarbeitet werden und das V nicht zu kurz geschnitten wird. Im Schnitt sollte man aber auch eine Naturhaarkardätsche alle sechs Monate wechseln. Durch den Talg aus der Haut verklebt die Reinigungsfahne, und die Bürste reinigt nicht mehr so effektiv wie zu Beginn. Mit der Zeit nutzt sich auch die Fahne ab.

Welches Material eignet sich für welchen Zweck? Reines Rosshaar bringt Glanz ins Pferdefell, ist also für den Feinputz zuständig. Die härteren Schweineborsten holen den Dreck aus der Tiefe. In manchen Kardätschen sind sogar Wildschweinborsten verarbeitet. Sie sollen extra rückfettend und besonders robust sein. Reine Borsten und Rosshaar sind innen hohl und außen nie so glatt wie Kunstborsten. Auch deshalb nehmen sie den Dreck besser auf. Wie gut Kardätschen Schmutz aufnehmen, bestimmt auch die Dichte der Borstenbündel. Bei einer guten Kardätsche stecken bis zu 600 Bündel im Holz. Bei Hochglanzbürsten verwenden manche Hersteller besonders langes Rosshaar von 65 Millimetern. Auch die Stellung der Borsten entscheidet, wie sauber oder glänzend das Pferdefell wird. Zeigen sie senkrecht nach unten, reinigt die Kardätsche; zeigen sie alle schräg zu einer Seite, kann die Kardätsche, je nach Streichrichtung, das Fell reinigen oder polieren (Zwei-Wege-Kardätsche).

Friederike Fritz,  Foto: Gloria Brushes