Die Ranch Riding orientiert sich an den Arbeiten auf der Ranch.
Die Ranch Riding orientiert sich an den Arbeiten auf der Ranch.

Ranch Riding – gar nicht so leicht, wie’s aussieht!

Die Ranch Riding ist eine verhältnismäßig junge Disziplin und erfreut sich bei den Reitern zunehmender Beliebtheit. Allerdings ist der Anspruch dieser Klasse nicht zu unterschätzen! Die erfolgreiche Ranch Riding Reiterin Alex Klee gibt Tipps für den erfolgreichen Start.

Wie der Name bereits vermuten lässt, orientiert sich diese Disziplin an der Vielseitigkeit, dem Arbeitswillen und Bewegungen eines Arbeitspferdes auf einer Ranch. Das Pferd soll die Fähigkeit zeigen, die Aufgaben auf einer Ranch schnell, präzise und willig zu erledigen. Ein übermäßig langer Zügel ist daher zur Arbeit eher ungeeignet, leichter Zügelkontakt dagegen ermöglicht dem Reiter schnell auf die jeweilige Anforderung zu reagieren. Gewünscht wird dem entsprechend ein rittiges , durchlässiges Pferd mit guter Bewegungsqualität und viel Raumgriff.

 

Wie sieht eine Ranch Riding aus

Gerittenen werden vorgegebene Pattern, in denen als Pflichtmanöver vorkommen müssen:Alle drei Grundgangarten in beide Richtungen sowie eine Trab- und Galoppverstärkung, des weiteren Stopps, Wendungen und Rückwärtsrichten. Wahlweise kann die Pattern Sidepass, 360°-Wendungen, Galoppwechsel und das Reiten über Stangen beinhalten.

 

Wie sieht eine Ranch Riding Pferd/Reiter Kombi aus

Es wird ein Arbeitspferd in gut gepflegter Arbeitsausrüstung erwartet, Vorderzeug und hinterer Sattelgurt werden empfohlen. Der Reiter sollte sich ebenfalls zweckmäßig präsentiern: Glitzer-, weiße oder knallige Blusen sind hier eher fehl am Platz. Es wird zwar nirgends von den Teilnehmern verlangt, sich eigens für diese Klasse Working Chaps oder Chinks anzuschaffen, aber rein optisch gibt es ein rundes Bild ab. Buckaroo Boots und Lederwesten erfreuen sich zunehmender Beliebtkeit.

 

Was man nicht sehen möchte

Hoofblack, gezöpfelte Mähne und Fake Tails sind nicht erlaubt! Von übermäßigem Silber an Sattel und Zaumzeug wird abgeraten. Wer allerdings einen schlichten Sattel mit ein paar Silber-Conchas hat, muss sich natürlich keinen neuen anschaffen.

 

Ranch Riding Training und Show

Am sinnvollsten lässt sich für diese Disziplin im Gelände trainieren. Der Fokus liegt hier besonders auf der Gangart-Verstärkung und sauberen Übergängen.

 

Der Walk

Ein flüssiger taktreiner Schritt kann hier für den einen oder anderen Reiter bereits zum Problem werden. Einige Pferde, die nur in der Bahn geritten werden, zeigen zu wenig Raumgriff und fallen in angespannten Situationen wie auf der Show gerne mal in den Jog, anstatt die Tritte zu verlängern. Ein guter Schritt braucht viel konstantes Training zu Hause. Dabei sollte man genau darauf achten, in der Prüfung exakt die gleichen Hilfen zu geben wie im Training. Konzentration und Konsequenz sind auch hier die halbe Miete.

 

Der Trot

Der Trab sollte auf langer Strecke bequem zu sitzen sein und im Arbeitstempo geritten werden. Langsamer Jog ist in der Ranch Riding nicht erwünscht. In der Trabverstärkung soll das Pferd merklich an Raumgriff dazu gewinnen, übermäßiges Tempo ist nicht notwendig. Im Training sollte man auch hier auf genaue und konsequente Hilfen achten, damit das Pferd im Eifer des Gefechts während der Prüfung nicht in den Galopp fällt. Ich trainiere diesen Part gerne auf gerader, langer Strecke, stelle mich in die Bügel, gebe die Zügel leicht nach vorn und schnalze. Festhalten am Horn ist bei dieser Disziplin erlaubt und erleichtert das Traben im Stehen. Natürlich ist auch Leichttraben und Aussitzen erlaubt. Sollte aus der Trabverstärkung der Übergang zum Galopp verlangt sein, setze ich mich kurz zurück in den Sattel, gebe ich Küsschen und die gewohnte Galopphilfe. Leise akustische Signale halte ich für sehr wichtig, mit ihnen lässt sich der Ritt noch viel harmonischer gestalten.

 

Der Galopp

Ein taktreiner fleißiger Galopp mit leichtem Zügelkontakt kann ebenfalls draußen im Gelände trainiert werden, die Pferde werden trittsicherer und aufmerksamer. Ich reite, sofern es die Wege erlauben, auch gern Abbiegungen im Galopp und achte stets darauf, dass das Pferd gut zwischen den Zügeln läuft. Fällt das Pferd auf die innere Schulter, wird das auch im Gelände korrigiert. Bei der Galoppverstärkung will man in der Prüfung keinen Run Down sehen, sondern ebenso wie im Extended Trot eine Trittverlängerung. Unkontrolliertes Galoppieren gehört weder ins Gelände noch auf die Show.

 

Weitere Manöver

Die Wendungen reite ich ähnlich wie in der Horsemanship. Anhalten, Sitz, Blick und Hilfen auf die Wendung einstellen und flüssig in die nächste Gangart übergehen ohne erneutes Anhalten. Besonders anspruchsvoll ist die Abfolge Extended Trot, Stop, Turn, Walk - hier fallen die Pferde gerne in den Trab. Die Galoppwechsel reite in der Prüfung nach Gefühl, ist mein Pferd locker und aufmerksam, reite ich einen fliegenden Wechsel. Merke ich jedoch, dass es hektisch wird, entscheide ich mich für den einfachen Wechsel über den Schritt, um wieder Ruhe reinzubringen.

Man merkt also, die recht simpel klingende neue Disziplin ist doch sehr anspruchsvoll und nur ein rittiges und sich selbst tragendes Pferd wird hier gute Scores erreichen. Feine Hilfen und harmonische, natürliche Ritte sollen in Zukunft die Showarenen füllen.

Text: A. Klee, Foto: Figure 8/D. Büttner