Reiten wie auf Wolken

Reiten wie auf Wolken: Moderne Reitplatzböden

Früher war der Reitplatz ein eingezäuntes Viereck, von dem im Sommer wahre Staubwolken aufstiegen und das im Winter steinhart gefroren war. In der Übergangszeit wurde es stets von mehr oder weniger großen Pfützen blockiert. Auch der Bodenbelag in der Reithalle hatte seine Mängel und Tücken.

Heutzutage – auch im Zuge der immer spezifischer werdenden Anforderungen, hervorgerufen u. a. durch die Fülle der Spezialreitweisen – muss ein Reitbahnboden höchste Ansprüche erfüllen. Der Freizeitreiter will ihn ebenso nutzen wie der Turniersportler, der Boden soll gleichermaßen den Dressur- wie auch Reining-Crack begeistern. Ist der Boden nicht in Ordnung, beeinträchtigt dies nicht nur die Leistung des Pferdes, sondern in erster Linie die Gesundheit des Stütz- und Bewegungsapparates.So hat sich der „Boden“ zu einem heiß diskutierten Thema nicht nur bei den Reinern entwickelt. Dabei sind die Meinungen der Experten und auch der Nutzer so verschieden wie die Sättel, in denen sie sitzen.

ArtenvielfaltMittlerweile gibt es zahlreiche Varianten, den Untergrund zu befestigen und eine passende Tretschicht aufzubringen. Dabei müssen stets der Standort, die klimatischen Verhältnisse, der Unterboden und die beabsichtigte Nutzung – ein reiner Springplatz erfordert einen anderen Boden als ein Platz, auf dem sich alle Vereinsmitglieder tummeln – und natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt werden.Jeder Reitplatz braucht einen soliden, durchdachten Bodenaufbau, um langfristig und vor allem bei jedem Wetter nutzbar zu sein. Sand oder gar Hackschnitzel auf eine ebene Fläche geschüttet ergibt noch lange keine Reitbahn, denn über kurz oder lang vermischen sich allein durch die Trittbelastung Untergrund und Tretschicht, selbst wenn ein Hallendach wenigstens die Nässe abhält. Es entstehen Löcher, Unebenheiten, der Untergrund verdichtet sich, sodass das Regenwasser nicht mehr abfließen kann.

Tragen, trennen, treten: der BodenaufbauEine gute Reitbahn besitzt einen speziellen Boden, der aus mehreren Schichten besteht. Der natürlich gewachsene Boden bildet die Grundlage. Er wird eingeebnet und mit einem zweiprozentigen Gefälle versehen, damit Oberflächenwasser ablaufen kann. Eine bis zu 40 Zentimeter dicke Tragschicht aus Schotter (Gemisch aus verschiedenen Körnungen) bildet den Unterbau. Die Dicke dieser Schicht richtet sich nach der Wasserdurchlässigkeit des Untergrundes. Die Schotterschicht nimmt Nässe auf und gibt sie an den Untergrund ab, wodurch die Tretschicht schnell abtrocknen kann. Eine zusätzliche Drainage kann dafür sorgen, dass die Entwässerung noch besser funktioniert und ist je nach Lage angebracht. Auf die Tragschicht wird die sogenannte Trennschicht aufgetragen, die verhindert, dass der Schotter sich mit der Tretschicht vermengt. Als Trennschicht werden neben herkömmlichen natürlichen Materialien mittlerweile zahlreiche spezielle Befestigungssysteme aus Kunststoff angeboten, die sowohl schlagfest als auch elastisch sind. Mit integriertem Drainagesystem garantieren die verwendeten Matten volle Nutzbarkeit des Platzes auch nach lang anhaltenden Niederschlägen.

Bodenbefestigung aus modernen MaterialienZahlreiche Systeme zur Bodenbefestigung in der Trennschicht sind auf dem Markt erhältlich, sodass sich für jede Gegebenheit das richtige System finden lässt. Bei den verwendeten Komponenten handelt es sich um mehrere Zentimeter dicke Gitterplatten, Lochmatten, Raster oder Waben aus mehr oder weniger elastischen Kunststoffen. Hinsichtlich der Zusammensetzung gibt es verschiedene Qualitäten, wobei reines Polyethylen sich sowohl hinsichtlich seiner großen Toleranz bezüglich Temperaturschwankungen als auch der Bruchsicherheit bewährt hat. Die verschiedenen Ausformungen der Produkte haben entsprechend ihrer Eigenschaften auch unterschiedliche Auswirkungen auf die darüber aufgebrachte Tretschicht. Gefährlichem Ausrutschen beugen z. B. Platten vor, die mit unterschiedlich hohen Noppen versehen sind. Dies ist wichtig, wenn hohe Tempi und enge Wendungen geritten werden.Auch Systeme mit integrierter Bewässerung werden angeboten, wobei die Konstruktion von Produkt zu Produkt variiert. Z. B. kann ein in der Trennschicht integriertes innenliegendes Drainagesystem an einen Brunnen oder eine Zisterne (die das ablaufende Wasser des Reitplatzes auffängt) angeschlossen werden, um die aus Natursand bestehende Tretschicht optimal feucht zu halten und stets für perfekte Bodenverhältnisse zu sorgen. Bei dieser Variante ist allerdings Hygiene, sprich Abäppeln der Reitbahn, oberstes Gebot, damit kein Pferdekot in das Bewässerungssystem gelangt. In diesem Fall könnte es zu einer hohen Verkeimung des Bodens kommen, was wieder der Gesundheit von Pferd und Reiter abträglich wäre, vor allem in einer geschlossenen Reithalle. Andere Systeme arbeiten mit Vertiefungen an der Oberseite oder Wasserspeichern an der Unterseite der Platten.Weiterhin gibt es Produkte, die so gebaut sind, dass kein Sand aus der Tretschicht unter die Matten wandern und diese langfristig hochdrücken kann (Sandsperr-ringe). Je nach Unterseite verankern sich die Matten durch ihre Struktur in der darunterliegenden Tragschicht oder sorgen durch ihr erhebliches Gewicht für Stabilität. Bei Verbundsystemen werden die einzelnen Elemente ineinander verhakt. Auch hier gibt es verschiedenste Lösungen. Nach wie vor werden auch spezielle Vliese als Trennschicht verwendet, da sie erheblich kostengünstiger und gerade für kleinere Betriebe wirtschaftlicher sind. Sollte die Wahl auf Vlies fallen, so ist darauf zu achten, ein wirklich hochwertiges zu verlegen. Es muss speziell auf die Maße des Reitplatzes abgestimmt und an einem Stück gefertigt sein. Beim Verlegen wird es im Randbereich möglichst sorgfältig eingegraben, um zu verhindern, dass es sich bei Beanspruchung lösen kann.

Hohe Ansprüche an die Tretschicht: Die Mischung machtsÜber alle diese Systeme wird im darauffolgenden Schritt die eigentliche Tretschicht aufgebracht.Die Tretschicht ist die obere Schicht und relativ dünn (maximal 12 Zentimeter). An sie werden besonders hohe Ansprüche gestellt: Sie muss wasserdurchlässig sein, jedoch auch Wasser binden können, damit der Boden nicht staubt. Im Idealfall ist sie jederzeit rutschfest und trittsicher, dabei elastisch und federnd, ohne die „Standfestigkeit“ zu verlieren. Hier die richtige Zusammensetzung zu finden, erfordert viel Erfahrung und Materialkenntnis. Hier lohnt es sich, den Rat von Reitplatz- oder Reitanlagenbauern einzuholen.Hauptkomponente ist meist Sand, der mit Zuschlagstoffen „veredelt“ wird. Sie binden Staub, halten die Feuchtigkeit und sorgen für Stabilität, Trittfestigkeit (z. B. Faserstoffe, die eine sog. Wurzelstruktur bilden) und Elastizität gleichermaßen. Zuschlagstoffe können Holzspäne oder andere natürliche Fasern sein, aber auch synthetisch hergestellte Stoffe. Die Zuschlagstoffe verringern den Hufabrieb, lockern den Sand auf und beugen im Winter dem Gefrieren des Bodens vor. Sie speichern weiterhin Feuchtigkeit und verringern das Staubaufkommen erheblich. Während Holz und andere organische Stoffe aufgrund ihrer schnellen Verrottung eher für geschützte Reithallenböden geeignet sind, kommen synthetische Stoffe für den Einsatz im Innen- und Außenbereich gleichermaßen in Betracht. Die Tretschicht ist je nach Reitweise und Nutzung relativ dünn. Tiefer, schwerer Boden stellt eine zu starke Belastung für Sehnen und Gelenke dar und ermüdet das Pferd bereits nach kürzester Zeit, was sich in matten Gängen widerspiegelt. Auch bei falscher Mischung bzw. ungeeignetem Sand können nach kurzer Zeit gesundheitliche Probleme am Bewegungsapparat der Pferde auftreten, wenn die Federung, die Elastizität und die Scherfestigkeit nicht stimmen.

Reithalle, Roundpen, FühranlageZwar ist der Boden in der Reithalle vor Witterungseinflüssen geschützt, aber im Gegenzug wird er meist intensiver genutzt. Insofern sind hinsichtlich des Bodenaufbaus ähnliche Parameter aufzustellen wie bei der Außenreitbahn. Allerdings kann bei der Tragschicht auf die schwere, dicke Schotterschicht verzichtet werden. Als Trennschicht empfehlen erfahrene Hallenbauer auch hier ein modernes Kunststoffsystem, das in vielen Fällen sogar ohne weiteren Unterbau auf planen gewachsenen Boden oder auf ein dünnes Schotterbett, Asphalt, Beton oder Verbundsteinpflaster gelegt werden kann. Bei der Auswahl und Mischung der Tretschicht sollte vor allem bei geschlossenen Hallen auf schadstofffreie, ökologisch unbedenkliche Stoffe geachtet werden. Im Roundpen oder der Führanlage laufen die Pferde immer in der gleichen Spur, d. h. die Belastung des Bodens ist dort besonders hoch, während die Mitte praktisch ungenutzt bleibt. Dementsprechend kann unter bestimmten Voraussetzungen viel Geld gespart werden, indem nur der äußere Bereich entsprechend aufwendig mit Kunststoffsystemen konstruiert wird. Die meisten Produkte lassen sich auch in Rundform verlegen. Je nachdem, ob die Führanlage oder der Roundpen überdacht ist, muss natürlich der Unterbau ebenso gefertigt sein wie bei einer komplett verlegten Reitbahn.

Nicht am falschen Ende sparenKlar ist: Ein guter Reitbahnboden ist nicht billig. Aber wie so oft ist es in diesem Fall so, dass Billiglösungen über die Jahre erheblich teurer werden, als ein einmal ordentlich angelegter Reitplatz. Jeder Planungs- und Ausführungsfehler ist teuer und zeitaufwendig. Es lohnt sich also, einen professionellen Reitplatzbauer zurate zu ziehen.

Abmisten – warum eigentlich nicht?Einen großen Beitrag zu einem hygienischen und lange gut nutzbaren Reitboden kann jeder beisteuern, der die Halle nutzt, indem er die Hinterlassenschaften seines Pferdes einsammelt.Anderenfalls wird der Pferdemist in die Tretschicht untergemischt, was eine erhebliche Verkeimung des Bodens zur Folge hat. Bereits bei einer Auslastung von 30 Pferden pro Tag besteht die Tretschicht nach nur 2 Jahren zu 50 Prozent aus Pferdemist. Je mehr Pferde die Halle nutzen, desto stärker die Verschmutzung und desto aufwendiger die Bodenpflege. Der Boden muss deshalb regelmäßig abgezogen werden, der Hufschlag eingeebnet und, wenn man es ganz genau nimmt, eben auch entmistet werden.Friederike Fritz