Knoten machen kann jeder  - sicher anbinden ist mehr.

 

Ein Handgriff, den jeder Reiter sicher schon unzählige Male gemacht hat, und doch einer der wichtigsten im Umgang mit Pferden überhaupt ist: das Anbinden. Viele Pferde haben Angst, lassen sich nur ungern anbinden, bleiben nicht ruhig stehen oder versuchen, sich los zu reißen. Wie aber gewöhnt man Pferd ans sichere Anbinden? 

 

 

Auf manchen großen Ranches in den USA werden Absetzer halfterführig gemacht, indem man sie einige Tage lang an einen Esel bindet. So sollen sie lernen, dem Zug am Halfter zu folgen. Die Jungpferde können nur fressen, wenn der Esel frisst, müssen sich seinem Tempo anpassen und ihm überall hin folgen. Eine weitere Variante dort ist, sie mit einem Strick am Halfter auf die Weide zu schicken. Die Jungpferde müssen dann alleine lernen, wie sie damit zurecht kommen, wenn sie sich im Strick verheddern. Inwiefern diese Methoden pferdefreundlich sind, sei dahin gestellt... 

 

Junge, drucksensible oder traumatisierte Pferde

 

Bevor man ein - junges - Pferd das erste Mal anbindet, sollte es halfterführig sein und gelernt haben, auf Druck bzw. Zug am Seil nachzugeben und diesem weich und leicht zu folgen. 

Da Pferde Fluchttiere sind, reagieren sie auf Druck zunächst mit Gegendruck, um sich zu befreien. Werden sie angebunden, kann das schnell Panik auslösen, wenn sie merken, dass sie nicht fliehen können. 

„Ein unerfahrenes Pferd bindet man daher nicht sofort fest an, sondern übt erst, indem man ein langes Seil mehrmals um den Anbindebalken legt, ohne es mit einem Knoten zu fixieren. Zieht das Pferd nun nach hinten, spürt es einen mehr oder weniger festen Zug am Halfter, der aber langsam nachgibt“, erklärt Horsemanship-Trainer Hardy Lahn aus München. Je öfter man das Seil um den Balken legt, desto stärker ist dabei der Widerstand. 

Das Pferd sollte zudem lernen, durch leichtes Antippen der Hinterhand einen Schritt nach vorne zu machen, so dass sich der Strick wieder lockert, wenn es nach hinten gezogen hat. Mit dieser Methode konnte Hardy Lahn schon viele Jung- und Panikpferde anbindesicher machen. 

 

Block Tie Ring

 

Eine weitere Möglichkeit, wenn man keinen Anbindebalken hat oder unterwegs ist, ist der Blocker Tie Ring. „Als wir vor ein paar Jahren auf der Atwood Ranch/Kalifornien eingeladen waren, lernten wir den Blocker Tie Ring zum ersten Mal kennen. In einer Reihe standen fünf Jährlinge entspannt nebeneinander am Anbinder. Selbst als jemand mit dem Wasserschlauch kam und um sie herum spritzte hoben sie nur leicht den Kopf um sich dann gleich wieder zu entspannen. ‚Wie macht ihr das? Wie lange habt ihr das geübt?’, fragten wir die Mitarbeiter der Ranch. Eine der Trainerinnen zeigte mir ein einfaches, aber geniales Übungstool: den Blocker Tie Ring. Dieser kleine 8-förmige Ring trainiert auf Horsemanship-Art selbst die jüngsten Pferde, sich auf Druck zu entspannen.“ 

 

Der Ring ist praktisch, passt in jede Jackentasche und man kann ihn daher gut mitnehmen, wenn man unterwegs ist. Der Ring kann mit einem Karabinerhaken an jedem vorhandenen Anbindering eingehängt werden. Indem man das Seil ein- oder zweimal um den wegklappbaren Steg in dem großen Ring legt, kann man den Widerstand des Seils leichter oder stärker einstellen. Wenn das Pferd in Panik gerät und nach hinten zieht, gibt das Seil ein Stück nach. Der Trainingseffekt entsteht, indem das Seil erst nachgibt, es dem Pferd aber anstrengend macht, je weiter es zieht. Der bei Panik „Opposition Reflex“ wird nicht ausgelöst. Losreißen geht nicht, da das Seil nachgibt. Meist reicht dieser eine Schritt für das Pferd aus, um sich wieder zu beruhigen und still stehen zu bleiben. 

Wichtig ist auch hier, ein entsprechend langes Bodenarbeitsseil (3,70 m) zu verwenden, damit das Pferd gegebenenfalls etwas Raum zum Ziehen und Lernen hat. Mit diesem Hilfsmittel kann man auch Pferde wieder an das Anbinden gewöhnen, die schon Unfälle hatten oder bereits gelernt haben, sich loszureißen oder gar in Panik sich überschlagen haben, weil der Strick nicht nachgab.

 

Mit Sicherheit  anbinden - wo und wie?

 

Pferde sollten immer eher kurz und auf Kopfhöhe angebunden werden, um zu verhindern, dass sie den Kopf unter das Seil stecken oder sich mit den Beinen darin verfangen. Der Haken muss sicher in der Wand verankert sein, ein Anbindebalken muss stabil sein, um der Kraft eines Pferdes standzuhalten. Zudem sollte man darauf achten, dass keine Gegenstände (Besen, Eimer, Schubkarren, Sattelcaddy etc.) in der Reichweite des Pferdes stehen, die umfallen können oder in die das Pferd hineintreten könnte. Grundsätzlich sollte man ein angebundenes Pferd nie unbeaufsichtigt lassen - auch das erfahrenste und „coolste“ Pferd kann sich einmal erschrecken und sich dann schwer verletzten, wenn es mit ganzer Kraft rückwärts zieht. Die Kräfte, die dann auf das empfindliche Genick wirken, sind enorm!

 

 

Fluchtreflex stets berücksichtigen

 

In der Stallgasse werden Pferde häufig beidseitig am Halfter angebunden. Das mag für einen Hufschmied oder Tierarzt die sicherste Methode sein, um gefahrlos am Pferd arbeiten zu können. Aber als Fluchttier fühlt sich ein so fixiertes Pferd oft hilflos allem ausgeliefert, da es seinen Kopf gar nicht mehr, und seine Beine nur sehr begrenzt bewegen kann. Erschrickt es nun, kann es schnell zu bösen Unfällen kommen, wenn es nach hinten zieht und versucht, sich loszureißen.

 

Welcher Haken, welches Halfter, welcher Knoten?

 

Zum Anbinden eignen sich die gängigen Stallhalfter aus breiten Nylonbändern, da sie den Druck gleichmäßig auf dem Kopf des Pferdes verteilen. 

WICHTIG: Knotenhalfter, die sich immer weiter verbreiten, sind nur für die Bodenarbeit gedacht, ein angebundenes Pferd kann sich mit den dünnen Seilen schwer verletzen, wenn es in Panik gerät da es auch nicht bei Druck reißt. 

Halfter mit Sollbruchstellen sind gut für die Koppel, damit sich das Pferd notfalls befreien kann, wenn es draußen irgendwo hängen bleibt. Bindet man es mit solch einem Halfter jedoch an, finden manche Pferde ganz schnell heraus, dass sie sich leicht losreißen können.

 

Im Handel gibt es unzählige Stricke aus unterschiedlichen Materialien, kurze, lange, dicke, dünne, weiche und festere Stricke mit Panikhaken, Bullsnap oder Drehkarabiner. Die meist kurzen Stricke mit Panikhaken sind erfahrungsgemäß nur zum Anbinden im Hänger oder auf eingezäuntem Gelände geeignet, keinesfalls zum Führen, da sich das Pferd damit losreißen kann, weil sich ein Panikhaken durch starkes Rucken öffnet. Unser angeborener Raubtierreflex bei Angst zu zuschnappen lässt uns reflexartig zugreifen und  landet dann schnell zu weit oben am lösenden Teil des Panikhakens - er geht auf und der Name Panikhaken bekommt eine neue Bedeutung - das Pferd steht frei da. Zudem kann man sich selbst stark an der Hand verletzen, wenn ein Pferd beim Anbinden plötzlich am Strick zieht, der Panikhaken aufgeht und die Metallteile zurückschnellen.

 

Besser geeignet sind lange Horsemanship-Führseile (Leadropes) aus Yachtleine mit stabilem Bullsnap oder Drehkarabiner. Dieses Material ist reißfest, hat wenig Reibungsenergie, liegt gut in der Hand, verrottet nicht und ist somit eine Anschaffung fürs Leben. Die Haken haben meist auch eine Sollbruchstelle, die bei extremen Belastungen bricht, aber nicht gleich bei jedem Ruck. Zudem kann man beim Führen mit einem langen Seil das Pferd ein Stück weit loslassen und dem Pferd Raum geben, wenn es sich erschrickt. Man selbst kommt so aus der Gefahrenzone heraus.

Zum Anbinden eignen sich Knoten, die fest sitzen, vom Pferd aber nicht festgezogen werden können und sich wieder mit einem Handgriff lösen lassen. 

 

Der kleine Houdini 

Pferde, die so geschickt sind, mit den Zähnen Knoten zu öffnen, muss man besonders sicher anbinden. Entweder man nimmt ein langes Seil und zieht ganz viele Schlaufen ineinander, so dass das Pferd sich nicht so schnell befreien kann. Oder, wenn man das Pferd in der Box anbindet, kann man das Seil zunächst durch eine Gitterstange führen und den Knoten erst ein paar Stangen weiter entfernt festbinden, so dass das Pferd mit dem Maul erst gar nicht an den Knoten herankommt. 

 

Auf Tour mit dem eigenen Pferd

Möchte man unterwegs auf einem Ausritt in einer Gaststätte einkehren oder eine  Pause planen, sollte man sich vorher erkundigen, ob es geeignete Anbindestellen für die Pferde gibt. Notfalls eignet sich auch mal ein (stabiler9 Baum. Oder man nimmt ein langes Seil mit, das man dann über Kopfhöhe der Pferde zwischen zwei Bäumen aufspannt, mit einem Bowline Knoten befestigt, und daran dann mit speziellen Knoten die Pferde anbindet. Übrigens: Leicht nachzuvollziehende Anleitungen für die Knoten findet man im Internet oder in Seglerbüchern. 

Katrin Lahn