So bleibt mein Pferd gesund!
Es ist ein Stück heile Welt, ein Zufluchtsort, unser Reitstall. Hier lösen wir uns aus den Anforderungen des Alltags, können unsere Probleme eine Zeit lang vergessen, dürfen uns ohne Leistungsdruck unserem Hobby widmen. Doch auch diese heile Welt wird bedroht: Bakterien, Viren und Pilze suchen ständig nach Lücken in der körpereigenen Abwehr, Parasiten hausen als ebenso eklige wie gefährliche Untermieter in schwer arbeitenden Organen. Kurz: Das Paradies wird von allen Seiten bedrängt und bedroht! Was kann, was muss der Pferdehalter tun?Muss sein "- die ImpfungImpfungen schützen zuverlässig, insbesondere vor Infektionserkrankungen, die•    nicht oder wenig erfolgversprechend behandelt werden können,•    mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen,•    großen wirtschaftlichen Schaden verursachen und•    die Einsatzfähigkeit des Pferdes dauerhaft einschränken.Verglichen mit den Gefahren, die von Erkrankungen wie etwa Tetanus oder Tollwut ausgehen, sind die mit einer Impfung verbundenen potentiellen negativen Folgen als äußerst gering einzustufen. Bei gesunden Pferden kommt es im Zusammenhang mit einer Impfung nur äußerst selten zu Problemen. Am häufigsten sind lokale Irritationen durch die Injektionsnadel. Auch ein sorgfältig vorgehender Tierarzt kann nie ganz ausschließen, dass über den Stichkanal Keime in die Unterhaut eindringen und dort Abszesse verursachen. Auch kleine Hämatome oder Serome können sich vereinzelt bilden, verursachen jedoch keine dauerhaften Probleme. Problematisch wird es allerdings, wenn ein unerkannt krankes oder infiziertes Pferd geimpft wird. Der Tierarzt kennt sich aus und weiß deshalb auch aus Erfahrung, bei welchem Produkt es gehäuft zu Problemen kommt "- und da es dazu Alternativen gibt, muss niemand auf die Impfung an sich verzichten. MinimallösungBei Pferden, die keine Veranstaltungen besuchen und in Betrieben mit geringer Fluktuation leben, wird oft lediglich gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) und Tollwut geimpft.Die Impfung gegen Tetanus ist wohl die wichtigste vorbeugende Gesundheitsmaßnahme. Heute dürfte eigentlich kein Pferd mehr an Tetanus oder Wundstarrkrampf erkranken, denn eine gut verträgliche Impfung schützt vor der meist tödlich endenden, quälenden Erkrankung. Leider passiert es immer wieder, dass Pferdebesitzer die Sache mit dem Impfschutz nicht ernst genug nehmen und irgendwann geschieht es dann: Das Pferd zieht sich eine Verletzung zu (das kann eine harmlose Schramme sein!!!), das überall vorkommende Bakterium Clostridium tetani dringt ein und kann sich ungestört vermehren. Kleine, harmlose Verletzungen, die sich bald oberflächlich wieder schließen, und Wunden mit Taschenbildung sind besonders gefährlich. Das Bakterium bildet nun die Gifte Tetanospasmin und Tetanolysin, die Lähmungen, Muskelkrämpfe und Herzschäden verursachen. Pferde gelten als besonders empfindlich und erkranken schwerer als andere Tierarten. Es entwickeln sich dramatische Symptome: Das Pferd steht in der typischen Sägebockhaltung, das dritte Augenlid ist vorgefallen, seine Muskulatur ist bretthart. Betroffen sind auch Atem- und Gesichtsmuskulatur, sodass keine Futteraufnahme möglich ist und das Atmen zunehmend schwer fällt. Wird das Pferd nicht von allen Reizen abgeschirmt, können Geräusche oder Lichteinfall schlimmste Krämpfe verursachen. Bald liegen die Tiere fest und verenden in über 90% aller Fälle innerhalb weniger Tage, wenn sie nicht eingeschläfert werden. Was lange währt, wird endlich gut "- über Jahrtausende hat die Infektion mit dem Tollwuterreger, einem Lyssavirus, in Deutschland und den umgebenden Ländern jährlich viele Tote unter Wildtieren, Haustieren und Menschen gefordert. Seit der Erforschung dieser Krankheit und der Fertigung eines ersten Impfstoffs durch Louis Pasteur gelang es zusehends, der Krankheit Herr zu werden. Eine große Rolle spielte dabei der flächendeckende Einsatz von Impfködern, mit denen der Hauptüberträger der Tollwut, der Fuchs, geimpft werden konnte. Seit April 2008 ist Deutschland offiziell tollwutfrei, in anderen Ländern, insbesondere in Indien, fordert diese meist tödlich ausgehende Infektion allerdings nach wie vor viele Todesopfer unter der Bevölkerung. Seit Deutschland allgemein als tollwutfrei gilt, ist eine gewisse Impfmüdigkeit zu beobachten. Zwar ist die Zahl der nachweislich infizierten Füchse in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen, doch kommt die Tollwut hierzulande immer noch bei Fledermäusen vor. Obwohl die Gefahr also gebannt scheint, können und sollten Pferde nach wie vor gegen Tollwut geimpft werden. Sollte sich doch einmal ein Pferd mit dem Lyssavirus infizieren, ist nach dem Ausbruch der Krankheit eine Behandlung nicht nur unmöglich, sondern sogar verboten.Besser ist dasTurnierpferde und andere, die häufig auf Veranstaltungen in Kontakt mit Artgenossen kommen oder die in Ställen mit hoher Fluktuation stehen, sollten bzw. müssen zusätzlich auch gegen Influenza und gegen Herpesinfektionen geimpft werden. Für viele Veranstaltungen ist ein aktueller Impfschutz sogar vorgeschrieben, der Nachweis einer Impfung im korrekten Intervall Voraussetzung für die Teilnahmeerlaubnis. Eine „richtige" Grippe oder Influenza ist eine ernste Erkrankung, die uns richtig beutelt und sogar tödlich enden kann. Dasselbe gilt für unsere Pferde: Wie die menschliche Grippe muss auch die Equine Influenza umgehend und umfassend behandelt werden, betroffene Pferde sind ernsthaft krank. Verursacht wird die Pferdegrippe von Viren, die nicht auf den Menschen übertragbar sind (Orthomyxoviren). Die Erreger verursachen eine hochfieberhafte und sehr ansteckende Erkrankung der Atemwege. Das Fieber tritt häufig in Schüben auf und wird begleitet von Mattigkeit und Husten. Komplikationen durch bakterielle Sekundärinfektionen kommen häufig hinzu, weshalb meist prophylaktisch Antibiotika (die ja gegen Viren, die eigentlichen Erreger der Influenza, unwirksam sind) gegeben werden. Der Bestand ist zu isolieren. Pech für Pferd und Pferdefreund: Nicht nur ein Herpesvirus, sondern gleich fünf machen ihnen das Leben schwer. Gegen das Virus selbst ist therapeutisch fast kein Kraut gewachsen. Der Körper muss dann sehen, wie er die Viren alleine los wird …Herpesviren begegnen dem Pferdehalter in Form einer schweren Atemwegserkrankung (Rhinopneumonitis, ausgelöst durch Herpesvirus Typ IV), dem Züchter als gefürchtetes seuchenhaftes Verfohlen (Herpesvirus Typ I), allerdings treten auch andere Krankheitsbilder auf: Bei der besonders dramatischen zentralnervösen Form der Herpesinfektion treten Lähmungen auf, die vor allem Darm, Blase und Hintergliedmaßen betreffen. Das Coitalexanthem schließlich führt zu einem bläschenförmigen Ausschlag an den Geschlechtsorganen von Hengst und Stute. Es gibt also nicht die Herpesinfektion, sondern mehrere, ganz unterschiedliche Erkrankungen.Alle Krankheitsformen lassen sich mit einer Impfung erfolgreich vorbeugend bekämpfen. Dabei ist es wichtig, immer den gesamten Bestand zu immunisieren.Weniger häufig werden Impfungen gegen Druse (nur üblich in akut Druse gefährdeten Beständen) sowie gegen bestimmte Hautpilzerkrankungen vorgenommen. Generell gilt: Lassen Sie nur gesunde Pferde impfen! Nach der Impfung sollte sich Ihr Pferd für etwa zwei bis drei Tage nicht körperlich anstrengen! Informieren Sie sich rechtzeitig über notwendige Impfungen und korrekte Impfnachweise, wenn Ihr Pferd ins Ausland verbracht werden soll!Weg mit den BiesternWo Pferde sind, da sind auch Würmer. Diese äußerlich so primitiv wirkenden, ekligen Biester nötigen uns widerstrebend Bewunderung ab, denn sie schleichen sich mit unglaublich ausgeklügelten Fortpflanzungsmechanismen in jedes Pferd ein. Dort richten sie es dann nach allen Regeln der Kunst zugrunde. Sie entziehen ihm wichtige Nährstoffe, schädigen die Darmschleimhaut oder wandern durch den Organismus und durchbohren dabei rücksichtslos jedes Organ, das sich ihnen in den Weg stellt. Unsere Pferde beherbergen Fadenwürmer, Saugwürmer, Bandwürmer sowie bestimmte Entwicklungsstadien von Insekten (Magendassellarven). Leider gibt es keinen vorbeugenden Schutz, vielmehr heißt das Ziel: Die Wurmbürde klein halten, also die Zahl der im Pferd lebenden Parasiten ebenso wie die der in der Umgebung befindlichen, verschiedenen Entwicklungsstadien so begrenzen, dass gesundheitliche Schäden vermieden werden. Dazu müssen hygienische Maßnahmen und eine systematisch vorgenommene Entwurmung Hand in Hand gehen. Die Experten "- und nicht nur sie "- streiten seit Jahren ergebnislos über die richtige Strategie: Der allgemein am häufigsten verfolgte Plan heißt „slow rotation". Durch jährlichen Wechsel der Wirkstoffgruppe des verwendeten Entwurmungsmittels hofft man, die sich bei unüberlegtem Einsatz dieser Mittel einstellenden Resistenzen vermeiden zu können. Mindestens viermal jährlich muss entwurmt werden, wobei jährlich zwischen den Wirkstoffgruppen abgewechselt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen lassen aber daran zweifeln, ob dieses Vorgehen wirklich die beste Lösung ist. Viele Experten raten alternativ zu regelmäßig durchgeführten Kotuntersuchungen, einer auf das Ergebnis abgestimmten folgenden Entwurmung und anschließender Erfolgskontrolle. Dieses Vorgehen mag sinnvoll(er) sein, ist aber insbesondere bei größeren Pferdebeständen durch den erheblichen Aufwand kaum durchsetzbar. Also: Tierarzt fragen und sich bewusst sein, dass unterschiedliche Vorgehensweisen korrekt und angebracht sein können. Falsch handelt nur, wer nicht handelt …Chemische Keulen?Es kommt nach Wurmkuren vereinzelt zu sogenannten „Wurmkoliken", die von den Besitzern auf die Chemie in der Wurmkur zurückgeführt werden. Es ist aber meist nicht das Mittel, das diese Koliken verursacht, sondern die Wurmbürde im Pferd. Krankheitssymptome können sowohl durch das massenhafte Absterben der Würmer verursacht werden als auch durch Entwicklungsstadien, die aus dem Organismus in den Darm eindringen. Bei starkem Wurmbefall befinden sich zahlreiche nicht ausgereifte Würmer im Organismus, die in einer Art „Winterruhe" erstarrt sind. Wird das Pferd durch eine Wurmkur schlagartig von allen im Darm lebenden Würmern befreit, erwachen die „schlafenden" Larven aus ihrer Starre, steuern den Darm an und dringen in großer Zahl mehr oder weniger gleichzeitig durch die Darmwand ins Innere. Das tut weh - es entsteht eine Wurmkolik. Koliken im Anschluss an eine Wurmkur sind also nur indirekt die Folge dieser Behandlung, sie entstehen vielmehr durch vorangegangene Versäumnisse in Sachen Entwurmung. Wer aus Angst vor einer Kolik auf Wurmkuren verzichtet, bewirkt also genau das Gegenteil, er verschlimmert die von den Würmern ausgehende Gefahr.Text und Fotos: Angelika Schmelzer