Summ, summ! Wieder im Anflug: störende Plagegeister

Sie nerven Mensch und Tier gleichermaßen und mittlerweile weiß man, dass sie nicht nur lästig sind, sondern auch gefährliche Krankheiten übertragen können: Die Rede ist von Insekten, die regelmäßig in der warmen Jahreszeit unsere Vierbeiner heimsuchen.

Mittlerweile weiß man, dass alles, was da im Sommer auf der Weide und im Wald summt und brummt, nicht nur störende Zeitgeister sind, sondern, dass Mücke, Fliege und Co. Viren und Bakterien übertragen können und Allergene im Speichel mancher Mückenarten das gefürchtete Sommerekzem auslösen kann.Neben der Unruhe, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, die vor allem sensible Pferde bei vermehrtem Insektenflug zeigen, sind es bakterielle Augenentzündungen, Hautprobleme, aber auch im Extremfall infektartige Erkrankungen begleitet von Fieber, Fressunlust sowie Herz-Kreislaufproblemen, die durch Insektenbefall ausgelöst werden können.Neben diesen beinahe „banalen“ Problemen können z. B. Pferdebremsen equine infektöse Anämie, Zecken Borreliose und Ehrlichiose, Stechmücken das West Nil Virus übertragen. Gerade bei diesen Erkrankungen stellt Vorbeugung die beste Therapie dar!

Population eindämmen

Deshalb sollte der Fokus auf der Vermeidung von Stichen und Insektenbefall liegen. Das heißt, dass die Insektenplage so weit wie möglich reduziert wird, indem ihr natürlicher Lebensraum drastisch beschränkt wird. Vor allem feucht-warme Plätze sind ideale Brutgebiete für die Lästlinge. Deshalb gilt es, mit offenen Augen den Stall und die nähere Umgebung danach abzusuchen und Abhilfe zu schaffen.Sinnvolle und wirksame Maßnahme hierbei ist penible Sauberkeit in der näheren Umgebung der Pferde. Boxen, Paddocks und Ausläufe sollten mehrmals täglich abgesammelt (Mist, Futterreste, verunreinigtes Raufutter) werden. Da Insekten durch stehendes Gewässer angezogen werden, Bottiche und Wannen als Tränken wenn möglich durch Selbsttränken (notfalls an ein geschlossenes Wasserfass installiert) ersetzen, Gegenstände, in denen sich Regenwasser sammeln kann, entfernen und dauerhaft bestehende Pfützen einebnen.Auch Weidepflege inkl. Ausmähen der Geilstellen gehört zum „Insektenvernichtungsprogramm“. Dort, wo Kot und Kraut liegen- bzw. stehenbleiben, finden alle Arten von Insekten idealen Brutunterschlupf.Im Stall bzw. der näheren Umgebung helfen neben speziellen Fliegen- und Bremsenfallen sowie UV-Licht-Fliegenvernichtern Nützlinge wie Spinnen, Schwalben und Feldermäuse, um zumindest die Innenräume weitgehend insektenfrei zu halten.Eine weitere Möglichkeit, Stallfliegenpopulationen in den Griff zu bekommen, ist das Einsetzen von Schlupfwespen. Diese natürlichen Feinde der Stallfliege halten sich bevorzugt in der Einstreu und im Festmist auf. Sie suchen dort zielstrebig die Fliegenpuppen auf und stechen diese zur Eiablage an. Die sich aus den Eiern entwickelnden Larven fressen die Stallfliegenlarven auf. Die Entwicklung der Stallfliegen wird gestoppt! Da die Schlupfwespen im Verborgenen „arbeiten“, belästigen sie selbst weder Mensch noch Tier.Weiterhin sind am Markt spezielle Desinfektionsmittel z. T. auf Basis natürlicher bzw. organischer Inhaltsstoffe erhältlich, die im Innen- und Außenbereich des Stalls angewandt werden können und zum einen den Lebenszyklus der Insektenstämme unterbrechen und zum anderen dafür sorgen, dass die Insekten sich erst gar nicht einnisten.

Schutzmaßnahmen für die Pferde

Sinnvoll – vor allem in Hinblick auf das gefürchtete Sommerekzem – ist, das Pferd von vorne herein so weit wie möglich zu schützen. So können Augenentzündungen durch übertragene Bakterien, Hautreizungen sowie allergische Reaktionen wie Quaddel-Bildung und allergische Reaktionen weitgehend vermieden werden. Im Handel werden zahlreiche Lotionen, Sprays und Pasten sowohl auf Basis natürlicher als auch chemischer Wirkstoffe angeboten. Sie alle überdecken den Eigengeruch des Pferdes und halten damit die Insekten fern. Die immer häufiger angebotenen Pasten können mit Hilfe eines Schwammes auch vorsichtig in Augennähe angewandt werden und so zumindest während des Rittes für Schutz sorgen. Auf der Weide und/oder im Paddock sind Fliegenmasken jedoch die bessere Wahl, um die empfindlichen Augen zu schützen.Wie lange die Wirkung eines Mittels anhält, hängt zum einen von den Inhaltsstoffen ab, zum anderen aber auch von der Nutzung des Pferdes sowie dem individuellen Körpergeruch. Je stärker ein Pferd schwitzt, z. B. beim Training, desto eher muss nachgesprüht werdenMeist halten Präparate auf chemischer Basis länger vor als Mischungen, die aus natürlichen ätherischen Ölen bestehen. Auch wenn viele den „Chemiekeulen“ kritisch gegenüber stehen, so darf nicht außer Acht gelassen werden, dass natürliche Inhaltsstoffe nicht immer unbedenklich sind: auch sie können Allergien auslösen. Deshalb sollte man als Laie auch nicht versuchen, irgendwelche Eigenmischungen zu kreieren, sondern sich allenfalls auf bewährte Hausmittel zu verlassen. Hierzu gehören Mischungen aus Essigwasser mit Eukalyptusöl. Weiterhin gelten Nelken-, Zitronen, Lavendel-, Zedernholz- und Teebaumöl als unbedenklich und wirksam. Wichtig: Ätherische Öle werden immer mit einer Trägerflüssigkeit, nie pur aufgetragen! Neben Essigwasser eignen sich hierzu schwarzer Tee oder neutrale Öle, die zudem noch eine pflegende Wirkung auf die Haut haben.

Mechanischer Fliegenschutz

Wer auf chemische Substanzen und ätherische Öle zumindest während der Weidezeit verzichten möchte, der findet ein großes Angebot an Fliegenmasken und Fliegendecken, wobei hier unterschieden werden muss zwischen den netzartigen Decken, die durch ihre Bewegung am Pferd Insekten, vor allem Fliegen vertreiben sollen. Komplettschutz gegen Stiche bieten jedoch nur die sogenannten Ekzemerdecken, die ein Pferd komplett einhüllen und vor allem verhindern sollen, dass sich ein an Ekzem bereits erkranktes Pferd blutig scheuert. Dementsprechend gibt es diese Decken mit Hals-, Kopf- und Schweifteil – je nach Ausprägung der Ekzemerkrankung. Allerdings kann und sollte solch eine Decke natürlich auch der Prophylaxe dienen und es werden mittlerweile gut tragbare, elastische Modelle angeboten, in denen die Pferde bei voller Bewegungsfreiheit bestens geschützt sind. Nicht nur Schutz gegen lästige Fliegen und Augenentzündungen bieten die mittlerweile in allen Größen erhältlichen Augenmasken, die durch ihre dichte Netzstruktur zusätzlich zum Insektenschutz vor starker Sonneneinstrahlung und Staub/Wind schützen. Mit Hilfe breiter Klettverschlüsse werden die Masken am Pferdekopf sicher und nicht abstreifbar befestigt und können bedenkenlos auch auf der Weide getragen werden.Neben diesen Schutzmaßnahmen werden seit einigen Jahren Fliegenhalsbänder angeboten, die das Pferd rund um die Uhr in Stall, Paddock, beim Ausritt oder auf der Weide tragen kann. Die Bänder sollen bis zu acht Wochen wirkungsvoll schützen. Die Halsbänder enthalten je nach Modell natürliche oder chemische Wirkstoffe.

Was tun bei Stichen und Hautproblemen?

Neben Insektenstichen setzen Hitze, Staub, Sonne und Schweißbildung der Pferdehaut im Sommer kräftig zu. Häufiges Waschen mit Shampoos und anderen Zusätzen kann die Haut jedoch zusätzlich reizen und deren Stoffwechsel durcheinander bringen. Deshalb auf gute Hautverträglichkeit der benutzten Präparate achten. Nicht alles, was wir Menschen ohne weiteres vertragen, ist auch für die Pferdehaut geeignet. Nicht ohne Grund gibt es speziell für Pferde entwickelte Produkte.Die häufigsten Hautprobleme haben wir im Sommer jedoch den Insekten zu verdanken.

Quaddeln, Juckreiz, Schwellungen und Hautreizungen nach Stichen müssen jedoch nicht zwangsläufig auf das Sommerekzem hindeuten. Allerdings sollte man bei anhaltenden Problemen dieser Art – allen voran das unablässige Scheuern bis auf rohe Fleisch - durchaus in Erwägung ziehen, das Pferd mittels einer Blutuntersuchung auf mögliche Allergene zu testen. Hier berät der behandelnde Tierarzt. Vor allem bei anfälligen Pferden, die häufig mit Hautproblemen, Mauke, Pilzbefall oder schlechter Wundheilung zu kämpfen haben, empfiehlt sich, der Sache akribisch nachzugehen. Auch die Vererbung, vor allem aus der Mutterlinie, spielt beim Sommerekzem eine Rolle.

Besonders für Ekzempferde empfiehlt sich ein frühzeitige „Vorbereitung“ auf die insektenreiche Zeit. Eine Unterstützung des Hautstoffwechsels über die gezielte Fütterung stellt eine sinnvolle Maßnahme dar. Vor allem bei reiner Heu-/Grasernährung fehlen häufig Nährstoffe, die für einen gesunden Hautstoffwechsel unabdingbar sind. Der Markt bietet mittlerweile praktische Ergänzungsfuttermittel, die alle benötigten Nährstoffe enthalten und so die Bausteine für gesunde Gewebestrukturen und Organe bereitstellen. Sie liefern die Basisnährstoffe für eine gesunde, widerstandsfähige Haut, sollten aber nicht erst beim Auftreten von Problemen, sondern direkt zu Beginn der Weidesaison zugefüttert werden.Allerdings muss jedem Pferdebesitzer klar sein, dass er die allergische Reaktion seines Pferdes durch diese Maßnahmen nicht verhindern kann, wohl aber die Haut hinsichtlich ihrer steten Erneuerung unterstützt wird. Um eine Ekzemerdecke kommt ein betroffenes Pferd dennoch nicht umhin!Bei bestehenden Hautläsionen helfen spezielle Lotionen und Salben, die heilend und pflegend auf die Haut einwirken und zudem den Juckreiz nachhaltig lindern. Denn nur so ist ein Abheilen der Verletzungen möglich. Bei sorgfältiger Anwendung kann die Haut sich erholen und abgescheuertes Haar wächst wieder nach.Während Ekzempferde besonderer Behandlung bedürfen, die sich häufig als sehr aufwendig und langwierig herausstellt, braucht verstochene, gereizte Haut auch generell bei jedem anderen Pferd Pflege bzw. Linderung. Juckreizstillende Präparate sorgen dafür, dass das Pferd sich nicht unnötig scheuert und damit weitere Verletzungen an der Epidermis verursacht. Manchmal reicht schon Ringelblumenöl, in das einige Tropfen Teebaumöl gegeben werden.Auch Leinöl, dünn auf die Haut aufgetragen, wirkt Wunder bei der Heilung von oberflächigen Hautabschürfungen und –reizungen. Sollte die Haut bereits geschädigt sein, werden wundpflegende und entzündungshemmende Salben aufgetragen.Wer also für entsprechende Vorsorge durch adäquaten Insektenschutz sorgt und im Falle des Falles einfache, aber wirkungsvolle Hautpflegeprodukte parat hat, dem kann auch die Mücke im Sommer nicht in die Suppe spucken.Friederike Fritz