Wandern zu Pferde – Spaß und viel frische Luft für Ross und Reiter

 

Wenn die warme Jahreszeit beginnt, gibt es nichts schöneres, als die Zeit mit dem Pferd draußen in der Natur zu verbringen. Selbst die Top-Stars des Westernreitens wie der Deutsche Nico Hörmann wissen, dass Ausreiten ein wichtiger Ausgleich zum Turniersport ist: „Ich halte es für wichtig, dass Pferde die Möglichkeit haben, raus zu kommen. Ritte durch die Natur können helfen, Pferde ausgeglichener und zufriedener zu machen.“ Wenn der ganz normale Ausritt schon viel Spaß mit dem Pferd bedeutet, dann kann man sich für die sommerlichen Urlaubstage auch mal ein größeres Projekt vornehmen: Wandern zu Pferde. Ob in Deutschland oder auch in ganz Europa, Möglichkeiten für schöne Ritte gibt es viele. Wichtig sind eine gelungene Vorbereitung und Planung sowie keine Scheu vor schlechtem Wetter. Tipps wie der Wanderritt gelingt und welche Möglichkeiten es gibt, finden Sie hier.

Wanderreiten – das richtige Pferd und der fähige Reiter

Noch vor 200 Jahren war der Ritt zu Pferde eine der wenigen Möglichkeiten, längere Strecken zurückzulegen. Damals war man auf das Pferd angewiesen und nicht selten viele Tage bis Wochen im Sattel unterwegs. Dass es heute anders aussieht, ist natürlich ein angenehmer Komfort. Aber manchmal möchte man dann doch erleben, wie es ist, mit dem Pferd einmal länger als nur ein paar Stunden durch die Natur zu ziehen. So entstand der Trend des Wanderreitens, welcher Jahr für Jahr, wenn es wärmer wird, zahllose Reiter in seinen Bann zieht. Das A und O beim Wanderreiten ist die richtige Planung. Doch bevor man sich daransetzt, sollte man sich über die eigenen Fähigkeiten im Klaren sein. Man muss davon ausgehen, täglich viele Stunden im Sattel zu verbringen. Dabei geht es durch die unterschiedlichsten Landschaften - bergauf und bergab, durch den Wald und an Straßen entlang. Man sollte für solch einen Ritt solide Reiterfahrung haben, sich auf dem Pferderücken sicher fühlen und auch schon eine ganze Anzahl an etwas längeren Ausritten hinter sich haben. Vor allem sollte Straßenverkehr dem Reiter keine Angst einjagen, denn nicht immer geht es von Ort zu Ort nur über abgelegene Wege ohne Verkehr.Auch die Anforderungen ans Pferd sind nicht die geringsten. Es muss ebenfalls an Straßenverkehr gewöhnt sein und darf sich auch auf Waldwegen nicht vor jeder Kleinigkeit erschrecken. Zudem muss das Pferd entsprechend konditioniert sein, denn auch langsame Wanderritte erfordern eine gewisse „Sportlichkeit“ beim Vierbeiner.Das gilt es, einige Fragen zu beantworten: Reitet man sein Pferd normalerweise nur eine Stunde am Tag? Hat es ansonsten, abgesehen von etwas Weidegang, keine Bewegung? Dann steht erst einmal mehrwöchiges Konditionstraining auf dem Programm. Wie ein solches ablaufen kann, erfährt man beispielsweise im Buch „Pferde gymnastizieren: Leichte Dressur in freier Natur“ von Regina Käsmayr (blv), in „Leistungstraining für das Pferd. Biologie und Trainingsprinzipien“ von Franz Ellendorff (Schlütersche) oder „Gymnastik für Geländepferde“ von Sabine Küpper (Müller Rüschlikon). Und: Für ausreichend Hufschutz muss gesorgt sein, wenn es über mehrere Tage in fremdes Terrain geht.

Besonders wichtig: Die Organisation

Wichtig ist vor allem, den Zeitpunkt zu wählen, wann der Ritt stattfinden soll. Im Frühjahr? Sehr gut, allerdings nicht für Allergiker zu Pferde, die mit Heuschnupfen und Co. zu kämpfen haben. Der Sommer? Wunderbar lange Tage, aber leider oft sehr heiß und mit lästigen Insekten, welche kein Pferd leiden kann. Oder aber im Herbst? Auch dieser hat noch viele schöne, sonnige Tage zu bieten, vor allem im September. Allerdings wird es wieder früher dunkel. Der Winter ist als einzige Jahreszeit nicht wirklich zu empfehlen, zu viele schlecht kalkulierbare Risiken, die Tage sind außerdem sehr kurz. Dennoch hat sich so manch einer schon zu dieser Jahreszeit aufgemacht und es genossen.Wichtig zu Beginn der Planung: Mitreiter suchen! Einen Wanderritt sollte man nicht allein angehen! Zum einen ist es ziemlich langweilig, zum anderen aber auch gefährlich, denn passieren kann mit dem Pferd immer etwas und wer vom Pferderücken fällt, ist häufig nicht in der Lage, Hilfe per Handy zu holen. Sollte man wirklich alleine unterwegs sein wollen, ist es zwingend notwendig, Kontaktpersonen zu informieren, welche Strecke man am jeweiligen Tag reitet und zu festen Zeiten bei den Daheimgebliebenen anzurufen, sodass notfalls schnell und zielgerichtet gehandelt werden kann.Als nächsten Punkt sollte man sich mit dem Ort des Wanderritts auseinandersetzen. Natürlich kann jeder gleich vom Tor des eigenen Reitstalles losziehen und die Region erkunden. Viele möchten aber auch die Ferien nutzen, um mit ihrem Pferd einmal woanders unterwegs zu sein. In Deutschland gibt es viele interessante Regionen, die es zu erkunden lohnt. Wichtig ist, genau in Erfahrung zu bringen, wo in der gewünschten Region Reitwege vorhanden sind, welche Feld- und Waldwege man nutzen kann, wo sich viel befahrene Straßen befinden, die man besser meidet. Und natürlich sollte auch nicht zu kurz kommen, dass man sich die Sehenswürdigkeiten und Orte heraussucht, die man unbedingt sehen und besuchen möchte. Auch sollte man in Erfahrung bringen, ob am Urlaubsort eine Reitplakette zum Reiten im Gelände erforderlich ist. Dies ist in mehreren deutschen Bundesländern der Fall.Ein weiteres Thema ist die Unterkunft. An jedem Abend muss irgendwo eine Möglichkeit zum Übernachten gefunden werden. Hier sollte man sich auf jeden Fall vorher erkundigen, wo dies für Reiter und Pferd möglich ist. Meist sind Bauern- und Reiterhöfe dazu nach vorheriger Information gerne bereit. Ganz wichtig übrigens: Nicht zu weite Wege für einen Tag einplanen. Weniger ist hier mehr. Denn erfahrungsgemäß kommt immer etwas dazwischen, sodass man seinen Zielort mit einem allzu knappen Zeitplan vielleicht erst bei Dunkelheit erreicht. Und wie bekommt man Ausrüstung und Kleidung von A nach B? Auch das erfordert Koordination. Eine Möglichkeit ist, wenig mitzunehmen und dies selbst in Rucksack und Satteltaschen zu transportieren. Doch dies ist für längere Wanderritte kaum möglich. Bei kürzeren Ritten gibt es diese Option auch nur, wenn auf den Übernachtungs-Höfen ausreichend Schlafmöglichkeiten und die Möglichkeit zur Einkehr vorhanden sind.Wer mit Zelt und eigenem Proviant unterwegs ist, benötigt meist zwangsläufig ein Auto, welches die jeweiligen Utensilien zum nächsten Ort transportiert und dort abends wartet. An einem weiter entfernten Urlaubsort eine echte organisatorische Meisterleistung!

Wanderreiten – viele verschiedene Möglichkeiten im In- und Ausland

Da wundert es einen nicht, dass viele darauf verzichten möchten, den Ritt ganz allein zu organisieren. Diese Marktlücke haben auch Reiterreise-Unternehmen für sich entdeckt. Ob in Deutschland oder im europäischen Ausland – Möglichkeiten zu geführten Wanderritten gibt es viele. Das Angebot reicht hier von geführten Wanderritten bis zu komplett durchorganisierten Ritten auf zur Verfügung gestellten Pferden. Auf diese Art und Weise ist es möglich, auch Wanderritte in Übersee zu genießen. Ob Südafrika mit einer Safari hoch zu Ross oder Argentinien auf den Spuren der Gauchos – kein Ziel scheint mehr zu weit für ambitionierte Reiter. Und natürlich sind für Fans des Westernreitens auch die USA und damit der „Wilde Westen“ ganz nah. Tatsächlich findet man sie: Die Tour durch die Canyons des Südwestens auf zuverlässigen Quarter Horses mit abendlichem Lagerfeuer und Gitarrenromantik – komplett durchorganisiert. Vielleicht der Traum eines jeden Westernfans mit Wanderreit-Ambitionen…

Vorbereitung und Erlebnis Wanderritt

Vor dem Ritt sollte man seine Mitreiter (soweit möglich, weil selbstorganisiert) erst einmal kennenlernen. Passt es wirklich, wenn man gemeinsam längere Zeit unterwegs ist? Ein Ganztagesritt gibt Auskunft, ob nicht doch der ein oder andere aus den unterschiedlichsten Gründen aus der Reihe tanzt oder sich nicht wohlfühlt. Außerdem bekommt so jeder noch einmal einen Eindruck vom eigenen Können und kann sich bei Unsicherheit gegebenenfalls noch zurückziehen. Und auch wenn natürlich alle beim Ritt Beteiligten gleichberechtigt ihre eigene Meinung haben dürfen, einer sollte als „Chef“ fungieren, der am jeweiligen Tag sagt, wo es lang geht. Das kann natürlich auch von Tag zu Tag wechseln. Oder man bestimmt einen besonders erfahrenen Reiter, mit dem alle gut auskommen, zum „Chef vom Dienst“.Auch sollten die Pferde, die beim Wanderritt aufeinander treffen, rechtzeitig aneinander gewöhnt werden – wenn sich zwei Pferde nicht leiden können, kann dies nicht nur unangenehm sein, sondern auch zur echten Gefahr für Reiter und Pferd werden. Wichtig ist zudem, eine Checkliste anzufertigen für all das, was unbedingt mitkommen muss. Dazu gehört ein voll ausgestattetes Erste-Hilfe-Set sowohl für Pferd als auch für Reiter. Außerdem in jedem Fall Pflegeausrüstung inkl. Hufkratzer! Ein Taschenmesser schadet ebenfalls nicht. Dazu kommt eine kleine Hufschmied-Ausrüstung mit Huffeile und -messer, Nägeln, Zange. Der Beschlag des Pferdes sollte vor dem Ritt noch einmal überprüft werden. Fürs Pferd müssen natürlich ständig Halfter und Führstrick mitgeführt werden. Sinnvoll ist außerdem nicht nur, dass der Sattel für das Pferd mit einer passenden Satteldecke oder Schabracke gepolstert ist, sondern auch, dass der Reiter bequem sitzt. Wer schon einmal einen Ganztagesritt gemacht hat, weiß, wie so manches Körperteil schmerzen kann. Viele Reiter empfinden daher ein Schaffell auf dem Sattel als sehr angenehm. Aber wer im Westernsattel reitet, hat hier ohnehin schon einen Vorteil gegenüber den englischen Reitern. Schließlich mussten ja auch die Cowboys viele Tage im Sattel verbringen… So ist er in Sachen Bequemlichkeit nach wie vor nahezu ungeschlagen.Sehr gut ist es, ein Smartphone mit GPS mitzunehmen, da dieses exakt die Position anzeigen kann und Karten gespeichert hat. Außerdem kann man darüber Infos über die aktuelle Wetterlage einholen. Doch man sollte auch nicht auf altbekannte Ausrüstung wie Karten oder den Kompass verzichten. Denn immer wieder trifft man auf den Ort mitten im Wald, an dem das GPS nicht mehr funktioniert… Enorm wichtig ist bequeme Reitkleidung, an der nichts drückt und zwickt. Sehr sinnvoll sind sommers wie winters auch Handschuhe, da man sonst tatsächlich am Abend Schwielen an den Händen haben kann. Bei Regen werden die Zügel außerdem leicht rutschig. Und wer sollte nicht schon mal einen stacheligen Busch wegbewegen und hat sich daran die Hände zerkratzt. Unverzichtbar ist Regenkleidung! Auch wenn es noch so sonnig aussieht, ein Regenschauer kann immer „vorbeischauen“. Für abendliche Ritte wichtig: Reflektoren für Reiter und Pferd, ob als Weste, Helmbezug, Gamaschen, Decke oder am Zaumzeug. Ein Streithema ist die Kopfbedeckung: Empfehlenswert ist natürlich das Tragen eines Reithelmes! Dass die Realität auf dem Ritt anders aussieht, steht außer Frage. Meist sieht man stylische Hüte und Kappen, die durchaus ihren Zweck erfüllen, was Sonnen- oder Regenschutz angeht. So ausgerüstet kann es losgehen ins Abenteuer – da bleibt mir nur noch, viel Spaß und eine schöne Urlaubszeit zu wünschen!Alexandra Koch